Die eigene Bonität zu prüfen kostet in Deutschland kein Geld — Art. 15 Abs. 3 DSGVO garantiert bei jeder Wirtschaftsauskunftei eine kostenfreie Auskunft pro Kalenderjahr. Wer sie nicht nutzt, verschenkt Kontrolle über die eigenen Geschäftskonditionen.
Rechtsgrundlage
Nach Art. 15 Abs. 1 DSGVO steht jedem Unternehmen (und jedem Geschäftsführer als natürlicher Person) das Recht auf Bestätigung zu, welche Daten über es verarbeitet werden — plus Auskunft über Herkunft, Empfänger, Speicherdauer und Logik automatisierter Entscheidungen. Abs. 3 präzisiert: die erste Kopie ist unentgeltlich. Für zusätzliche Kopien im selben Jahr darf die Auskunftei ein „angemessenes Entgelt auf Basis der Verwaltungskosten" verlangen (in der Praxis 20–35 €).
Auskunftei-Übersicht — wo Sie was kostenlos bekommen
| Auskunftei | Bestellweg | Umfang |
|---|---|---|
| Creditreform | „Meine Creditreform"-Portal oder schriftlich an den regionalen Verein | Bonitätsindex, PD, Krediturteil, Bilanzkennzahlen, DRD, Negativmerkmale |
| CRIF Bürgel | Selbstauskunfts-Formular auf crifbuergel.de | Score, Zahlungserfahrungen, Negativmerkmale, Verflechtungen |
| SCHUFA Business | Antragsformular bei SCHUFA Holding AG | SCHUFA-Business-Score, Vertragsdaten, Negativmerkmale |
| Boniversum | Antragsformular auf boniversum.de | Score, Zahlungserfahrungen, gemeldete Vertragsdaten |
| D&B (Dun & Bradstreet) | DUNS-Nummer prüfen und Selbstauskunft anfordern (dnb.com/de) | DUNS-Nummer, Paydex, Failure-Score, Struktur international |
Praxis-Ablauf — 90 Minuten Zeitaufwand
- 15 Min: Fünf Standardschreiben oder Portal-Anträge vorbereiten (Firma, HR, GF-Ausweiskopie, Bezug auf Art. 15 DSGVO)
- 15 Min: Versand — je nach Auskunftei per Portal, E-Mail oder Post an den Datenschutzbeauftragten
- 60 Min (nach 2–4 Wochen): eingegangene Auskünfte gegenchecken, Fehler markieren
Was Sie bekommen — und was drinstehen sollte
- Der aktuelle Score und das Datum der letzten Berechnung
- Alle über Sie gespeicherten Daten — Stamm, Bilanz, Zahlungserfahrungen, Negativmerkmale, Verflechtungen
- Datenherkunft — welche Quellen (HR, Bundesanzeiger, Aussendienst, Meldungen, Selbstauskunft)
- Empfänger der letzten Anfragen — wer wann eine Auskunft über Sie gezogen hat (mindestens für 12 Monate rückwirkend)
- Speicherdauer — bis wann welcher Eintrag gespeichert bleibt
- Logik automatisierter Entscheidungen — grobe Beschreibung der Scoring-Faktoren
Wie Sie die Werte lesen
Jede Auskunftei rechnet auf einer eigenen Skala. Der Creditreform-Bonitätsindex läuft von 100 (top) bis 600 (Ausfall) — niedriger ist besser. Der SCHUFA-Business-Score reicht von 0 bis 9.999 — höher ist besser. Details: Bonitätsindex-Ratgeber.
Typische Fehler beim Selbstauskunfts-Antrag
- Falsche Adressierung — Sitz-Prinzip: der Verein / die Niederlassung am Firmensitz ist zuständig
- Kein Nachweis der Vertretungsberechtigung — bei GmbH: HR-Auszug oder Handelsregisterbescheinigung beilegen
- Fehlende Ausweiskopie — verzögert die Bearbeitung um 1–2 Wochen
- Unpräzise Formulierung — verlangen Sie „vollständige Auskunft nach Art. 15 Abs. 1 DSGVO über alle gespeicherten Daten einschliesslich Herkunft, Empfänger und Logik automatisierter Entscheidungen"
Wann eine kostenpflichtige Auskunft sinnvoll ist
Kostenlose Selbstauskunft = einmal jährlich, meist ausreichend. Kostenpflichtige Zusatzauskünfte lohnen, wenn (1) mehrere Berichtigungen nacheinander wirken sollen und Sie Zwischenstände sehen wollen, (2) Sie vor einer wichtigen Ausschreibung / Bankverhandlung den aktuellen Stand belegen wollen. Fremdauskünfte über andere Firmen kosten hingegen immer — siehe Creditreform-Firmenauskunft einholen.
Nach der Auskunft — was jetzt?
Weiter mit der Roadmap: Wie kann ich meine Bonität verbessern? Schritt für Schritt. Wer die Umsetzung nicht selbst leisten will, findet die Done-for-you-Variante unter Bonität verbessern.
FAQ
Häufige Fragen
- Ist die Selbstauskunft wirklich kostenlos?
- Ja — bei jeder Auskunftei einmal pro Kalenderjahr nach Art. 15 Abs. 3 DSGVO. Weitere Kopien im selben Jahr kosten ca. 20–35 € netto.
- Wie lange dauert die Bearbeitung?
- Nach Art. 12 Abs. 3 DSGVO maximal 30 Tage. Portal-Auskünfte sind teils sofort verfügbar, schriftliche Anträge dauern 10–20 Werktage.
- Muss ich mich ausweisen?
- Ja — bei natürlichen Personen Ausweiskopie, bei GmbH/UG zusätzlich HR-Auszug oder Handelsregisterbescheinigung als Vertretungsnachweis.
- Welche Auskunftei ist am wichtigsten?
- Für B2B in Deutschland Creditreform (Marktführer mit rund 60 % Abdeckung). Für Bank- und Vertragsdaten SCHUFA Business. Für internationale Geschäfte D&B mit DUNS-Nummer.
- Was mache ich mit den Auskünften?
- Nebeneinanderlegen und auf Konsistenz prüfen. Fehler ins Berichtigungs-/Löschungsverfahren überführen. Anleitung: Ratgeber "Wie kann ich meine Bonität verbessern?".
- Kann ich die Auskunft auch für einen Bankkredit vorlegen?
- Ja — Banken akzeptieren die Selbstauskunft als Nachweis. Sie ziehen aber meist zusätzlich eine eigene Auskunft direkt bei der Auskunftei.
- Was steht drin, wenn noch nie eine Auskunft über mich abgefragt wurde?
- Meist trotzdem ein vollständiger Datensatz aus Handelsregister und Bundesanzeiger — inklusive Bonitätsindex. Auskunfteien erfassen Firmen unabhängig von Anfragen.
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