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Ratgeber

Eigene Bonität kostenlos prüfen: der DSGVO-Weg für Unternehmen

Bei welchen 5 Auskunfteien Sie die kostenlose Selbstauskunft holen, wie Sie in 90 Minuten alle Anträge stellen und was in den Antworten stehen muss.

Bonifix RedaktionFachredaktion FirmenbonitätAktualisiert Juli 20268 Min Lesezeit

Die eigene Bonität zu prüfen kostet in Deutschland kein Geld — Art. 15 Abs. 3 DSGVO garantiert bei jeder Wirtschaftsauskunftei eine kostenfreie Auskunft pro Kalenderjahr. Wer sie nicht nutzt, verschenkt Kontrolle über die eigenen Geschäftskonditionen.

Rechtsgrundlage

Nach Art. 15 Abs. 1 DSGVO steht jedem Unternehmen (und jedem Geschäftsführer als natürlicher Person) das Recht auf Bestätigung zu, welche Daten über es verarbeitet werden — plus Auskunft über Herkunft, Empfänger, Speicherdauer und Logik automatisierter Entscheidungen. Abs. 3 präzisiert: die erste Kopie ist unentgeltlich. Für zusätzliche Kopien im selben Jahr darf die Auskunftei ein „angemessenes Entgelt auf Basis der Verwaltungskosten" verlangen (in der Praxis 20–35 €).

Auskunftei-Übersicht — wo Sie was kostenlos bekommen

AuskunfteiBestellwegUmfang
Creditreform„Meine Creditreform"-Portal oder schriftlich an den regionalen VereinBonitätsindex, PD, Krediturteil, Bilanzkennzahlen, DRD, Negativmerkmale
CRIF BürgelSelbstauskunfts-Formular auf crifbuergel.deScore, Zahlungserfahrungen, Negativmerkmale, Verflechtungen
SCHUFA BusinessAntragsformular bei SCHUFA Holding AGSCHUFA-Business-Score, Vertragsdaten, Negativmerkmale
BoniversumAntragsformular auf boniversum.deScore, Zahlungserfahrungen, gemeldete Vertragsdaten
D&B (Dun & Bradstreet)DUNS-Nummer prüfen und Selbstauskunft anfordern (dnb.com/de)DUNS-Nummer, Paydex, Failure-Score, Struktur international

Praxis-Ablauf — 90 Minuten Zeitaufwand

  1. 15 Min: Fünf Standardschreiben oder Portal-Anträge vorbereiten (Firma, HR, GF-Ausweiskopie, Bezug auf Art. 15 DSGVO)
  2. 15 Min: Versand — je nach Auskunftei per Portal, E-Mail oder Post an den Datenschutzbeauftragten
  3. 60 Min (nach 2–4 Wochen): eingegangene Auskünfte gegenchecken, Fehler markieren

Was Sie bekommen — und was drinstehen sollte

  • Der aktuelle Score und das Datum der letzten Berechnung
  • Alle über Sie gespeicherten Daten — Stamm, Bilanz, Zahlungserfahrungen, Negativmerkmale, Verflechtungen
  • Datenherkunft — welche Quellen (HR, Bundesanzeiger, Aussendienst, Meldungen, Selbstauskunft)
  • Empfänger der letzten Anfragen — wer wann eine Auskunft über Sie gezogen hat (mindestens für 12 Monate rückwirkend)
  • Speicherdauer — bis wann welcher Eintrag gespeichert bleibt
  • Logik automatisierter Entscheidungen — grobe Beschreibung der Scoring-Faktoren

Wie Sie die Werte lesen

Jede Auskunftei rechnet auf einer eigenen Skala. Der Creditreform-Bonitätsindex läuft von 100 (top) bis 600 (Ausfall) — niedriger ist besser. Der SCHUFA-Business-Score reicht von 0 bis 9.999 — höher ist besser. Details: Bonitätsindex-Ratgeber.

Typische Fehler beim Selbstauskunfts-Antrag

  • Falsche Adressierung — Sitz-Prinzip: der Verein / die Niederlassung am Firmensitz ist zuständig
  • Kein Nachweis der Vertretungsberechtigung — bei GmbH: HR-Auszug oder Handelsregisterbescheinigung beilegen
  • Fehlende Ausweiskopie — verzögert die Bearbeitung um 1–2 Wochen
  • Unpräzise Formulierung — verlangen Sie „vollständige Auskunft nach Art. 15 Abs. 1 DSGVO über alle gespeicherten Daten einschliesslich Herkunft, Empfänger und Logik automatisierter Entscheidungen"

Wann eine kostenpflichtige Auskunft sinnvoll ist

Kostenlose Selbstauskunft = einmal jährlich, meist ausreichend. Kostenpflichtige Zusatzauskünfte lohnen, wenn (1) mehrere Berichtigungen nacheinander wirken sollen und Sie Zwischenstände sehen wollen, (2) Sie vor einer wichtigen Ausschreibung / Bankverhandlung den aktuellen Stand belegen wollen. Fremdauskünfte über andere Firmen kosten hingegen immer — siehe Creditreform-Firmenauskunft einholen.

Nach der Auskunft — was jetzt?

Weiter mit der Roadmap: Wie kann ich meine Bonität verbessern? Schritt für Schritt. Wer die Umsetzung nicht selbst leisten will, findet die Done-for-you-Variante unter Bonität verbessern.

FAQ

Häufige Fragen

Ist die Selbstauskunft wirklich kostenlos?
Ja — bei jeder Auskunftei einmal pro Kalenderjahr nach Art. 15 Abs. 3 DSGVO. Weitere Kopien im selben Jahr kosten ca. 20–35 € netto.
Wie lange dauert die Bearbeitung?
Nach Art. 12 Abs. 3 DSGVO maximal 30 Tage. Portal-Auskünfte sind teils sofort verfügbar, schriftliche Anträge dauern 10–20 Werktage.
Muss ich mich ausweisen?
Ja — bei natürlichen Personen Ausweiskopie, bei GmbH/UG zusätzlich HR-Auszug oder Handelsregisterbescheinigung als Vertretungsnachweis.
Welche Auskunftei ist am wichtigsten?
Für B2B in Deutschland Creditreform (Marktführer mit rund 60 % Abdeckung). Für Bank- und Vertragsdaten SCHUFA Business. Für internationale Geschäfte D&B mit DUNS-Nummer.
Was mache ich mit den Auskünften?
Nebeneinanderlegen und auf Konsistenz prüfen. Fehler ins Berichtigungs-/Löschungsverfahren überführen. Anleitung: Ratgeber "Wie kann ich meine Bonität verbessern?".
Kann ich die Auskunft auch für einen Bankkredit vorlegen?
Ja — Banken akzeptieren die Selbstauskunft als Nachweis. Sie ziehen aber meist zusätzlich eine eigene Auskunft direkt bei der Auskunftei.
Was steht drin, wenn noch nie eine Auskunft über mich abgefragt wurde?
Meist trotzdem ein vollständiger Datensatz aus Handelsregister und Bundesanzeiger — inklusive Bonitätsindex. Auskunfteien erfassen Firmen unabhängig von Anfragen.

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