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Ratgeber

Bonität einfach erklärt: Definition, Kriterien, Bedeutung für Unternehmen

Was Bonität wirklich ist, welche Rechtsnormen dahinterstehen, welche Kennzahlen im B2B zählen — und wie sich das Bank-Rating vom Bonitätsindex unterscheidet.

Bonifix RedaktionFachredaktion FirmenbonitätAktualisiert Juli 202610 Min Lesezeit

„Bonität" ist einer der meistverwendeten und gleichzeitig unpräzisesten Begriffe des Wirtschaftslebens. Für Unternehmer ist er trotzdem entscheidend: die Bonität bestimmt Zins, Zahlungsziele, Leasingfähigkeit, Warenkreditlinien, Mietverträge und in vielen Branchen sogar die Vertragsanbahnung. Dieser Ratgeber erklärt Definition, Rechtsgrundlagen, Kriterien und was speziell im B2B zählt.

Definition — zwei Dimensionen

Bonität bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft eines Schuldners, eingegangene Zahlungsverpflichtungen fristgerecht und vollständig zu erfüllen. Zwei Ebenen sind gemeint:

  • Wirtschaftliche Bonität (Kreditwürdigkeit) — objektive Zahlungsfähigkeit auf Basis von Kapitalstruktur, Ertragslage, Liquidität
  • Persönliche Bonität (Kreditwilligkeit) — die Zahlungsmoral: pünktliches oder verzögertes Bezahlen in der Vergangenheit

Rechtliche Verankerung

NormRegelungsinhalt
§ 18 KWGBonitätsprüfungs-Pflicht der Bank bei Krediten > 750.000 € oder 10 % des haftenden Eigenkapitals
§ 505b BGBKreditwürdigkeitsprüfung im Verbraucherdarlehen (B2C)
MaRisk (BaFin)Mindestanforderungen ans Risikomanagement der Banken — inkl. Rating- und Scoring-Anforderungen
Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVORechtsgrundlage für Bonitätsauskünfte durch Wirtschaftsauskunfteien
§ 31 BDSGSpezialregelung zum Scoring und zur Verwendung von Auskunfteidaten

Bonität Privat vs. B2B

Für Privatpersonen ist meist die SCHUFA (Basisscore + Branchenscores) der zentrale Datentopf. Für Unternehmen dominieren Creditreform, CRIF Bürgel, SCHUFA Business, Boniversum und international D&B / Coface. Bei Geschäftsführer-Krediten (GmbH, UG) prüfen Banken beides: Firma und die private SCHUFA des Geschäftsführers.

Welche Kriterien im B2B zählen

  1. Bilanz und GuV — Eigenkapitalquote, EBITDA-Marge, Umsatzentwicklung, Cashflow, Bilanzsumme
  2. Kapitaldienstfähigkeit — Verhältnis freier Cashflow zu Zinsen + Tilgung
  3. Zahlungsverhalten (DSO) — Days Sales Outstanding aus Debitorenregistern
  4. Negativmerkmale — Mahnbescheide, Inkasso-Fälle, Insolvenzhinweise, Schuldnerverzeichnis-Einträge
  5. Branchenrisiko — WZ-2008-Code liefert Branchen-Ausfallwahrscheinlichkeit
  6. Firmen-Historie — Alter, Rechtsformwechsel, Sitzverlegungen, Wechsel der Geschäftsführung
  7. Verflechtungen — Konzernanbindung, negative Merkmale bei verbundenen Firmen

Welche Auskunftei welche Daten sieht

AuskunfteiStärkeDatenbasis-Schwerpunkt
CreditreformMarktführer, DRD-ZahlungserfahrungenHandelsregister, DRD, Aussendienst-Recherche
CRIF BürgelHandel, VersichererInsolvenz-, HR-, Zahlungsdaten
SCHUFA BusinessBank-, Leasing-, VertragsdatenVertragspartner-Meldungen (Banken, Telko, Energie)
Boniversumhistorisch HandelHandel, Vermietung
D&B / Dun & BradstreetinternationalDUNS-Nummer, globaler Firmenbestand

Zusammenspiel mit dem Bank-Rating

Wichtig zu wissen: Bonitätsindex ≠ Bank-Rating. Die Bank baut ihr internes Rating aus Bilanz-Kennzahlen, Kontoführung und (unter anderem) Auskunftei-Daten selbst zusammen. Ein besserer Creditreform-Index verbessert also nicht automatisch die Bankkonditionen — er ist einer von vielen Eingangsparametern.

Beispiel-Rechnung für ein KMU

Handels-KMU, 3,5 Mio. € Umsatz, EK-Quote 18 %, keine Negativmerkmale, WZ-Code korrekt, Bilanz aktuell offengelegt. Erwartbarer Creditreform-Bonitätsindex: 215–245. Bei Lieferanten: normales 30-Tage-Ziel, Skonto zugänglich. Bei der Hausbank: Kontokorrent zu regulären Konditionen, aber Zinsaufschlag gegenüber Top-Bonität (Index < 180) von rund 0,7–1,3 Prozentpunkten.

Was Sie tun können

Erster Schritt ist immer die eigene Bonität kostenlos prüfen. Danach je nach Baustelle: Bonität verbessern — Schritt für Schritt.

FAQ

Häufige Fragen

Was bedeutet "gute Bonität"?
Beim Creditreform-Bonitätsindex Werte unter 200. Beim SCHUFA-Business-Score Werte ab 8.000 (Skala bis 9.999). Für Banken zusätzlich EK-Quote > 25 % und Kapitaldienstfähigkeit > 1,3.
Was ist der Unterschied zwischen Bonität und Kreditwürdigkeit?
Bonität ist der weitere Begriff (Zahlungsfähigkeit + Zahlungsmoral). Kreditwürdigkeit im engeren Sinne meint die aus Bilanz und Ertragslage abgeleitete objektive Fähigkeit, Kredite zu bedienen.
Wer prüft meine Bonität?
Banken, Leasinggesellschaften, Warenkreditversicherer, Lieferanten, Vermieter, Telko-Anbieter und öffentliche Auftraggeber — je nach Anlass.
Wird bei einer GmbH auch die Privatbonität des Geschäftsführers geprüft?
Bei Bankkrediten in über 90 % der Fälle ja — Banken bewerten die Solvenz des Geschäftsführers mit. Bei reinen Warenkrediten seltener.
Verbessert eine bessere Auskunftei-Bewertung die Bankkonditionen?
Nicht automatisch. Bank-Rating ist ein eigenes System und gewichtet Bilanzkennzahlen und Kontoführung stärker als Auskunfteidaten.
Wie oft wird die Bonität neu berechnet?
Bei den meisten Auskunfteien bei jeder Abfrage auf Basis des aktuellen Datenstands. Bank-Ratings werden meist jährlich neu erstellt.
Wo sehe ich meine eigene Bonität?
Selbstauskunft bei jeder Auskunftei nach Art. 15 DSGVO — einmal jährlich kostenlos. Anleitung: Ratgeber "Eigene Bonität kostenlos prüfen".

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