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Ratgeber

Bonitätsprüfung: Ablauf, Rechte des Geprüften, Kosten

Wer wann prüft, welche Datenquellen genutzt werden, welche 7 Rechte Sie als Geprüfter haben und was jede Prüfung kostet.

Bonifix RedaktionFachredaktion FirmenbonitätAktualisiert Juli 20269 Min Lesezeit

Bonitätsprüfungen sind allgegenwärtig — beim Kredit, beim Leasing, beim Gewerbe-Mietvertrag, beim Lieferanten-Zahlungsziel, beim Mobilfunk-Vertrag. Dieser Ratgeber erklärt, wer wann prüft, welche Datenquellen genutzt werden, welche Rechte das geprüfte Unternehmen hat und was jede Prüfung kostet.

Wer prüft wann

AnlassWer prüftDatenquellen
Kreditvergabe BankKreditinstitut selbst + AuskunfteiBilanz, Kontoführung, Creditreform, SCHUFA Business
LeasingvertragLeasinggesellschaftSCHUFA Business, Creditreform
Warenkredit / ZahlungszielLieferantCreditreform, CRIF Bürgel, ggf. Warenkreditversicherung
Gewerbliche VermietungVermieterSelbstauskunft, Creditreform
WarenkreditversicherungKreditversicherer (Euler Hermes, Coface, Atradius)eigene Datenbank + Auskunftei
Ausschreibung öffentlicher AuftraggeberVergabestellePQ-Nachweise, Selbstauskunft, ggf. Bonitätsauskunft

Rechtsgrundlagen

  • Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO — Vertragsanbahnung: Prüfung ist zur Durchführung vorvertraglicher Massnahmen erforderlich
  • Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO — berechtigtes Interesse: der Anfragende hat ein legitimes wirtschaftliches Prüfinteresse
  • § 31 BDSG — spezielle Zulässigkeit von Scoring und Übermittlung an Wirtschaftsauskunfteien
  • Art. 22 DSGVO — Recht auf Nicht-Unterwerfung unter rein automatisierte Einzelentscheidungen (SCHUFA-Urteil des EuGH C-634/21)
  • § 18 KWG — Prüf-Pflicht der Bank bei Grosskrediten

Rechte des Geprüften

  1. Recht auf Auskunft (Art. 15 DSGVO) — einmal jährlich kostenlos vollständige Auskunft bei jeder Auskunftei über die gespeicherten Daten und die Datenempfänger der letzten Anfragen
  2. Recht auf Berichtigung (Art. 16 DSGVO) — unrichtige Daten müssen umgehend korrigiert werden
  3. Recht auf Löschung (Art. 17 DSGVO) — für erledigte Negativmerkmale in Verbindung mit § 31 BDSG
  4. Recht auf Einschränkung (Art. 18 DSGVO) — bei bestrittener Richtigkeit für die Prüfdauer
  5. Recht auf Widerspruch (Art. 21 DSGVO) — bei Verarbeitung auf Basis berechtigten Interesses
  6. Recht auf menschliche Prüfung (Art. 22 DSGVO) — bei automatisierten Entscheidungen
  7. Beschwerderecht bei der Aufsichtsbehörde (Art. 77 DSGVO)

Kosten

VorgangKosten (netto, indikativ)
Selbstauskunft bei einer Auskunftei — 1 × pro Jahr0 € (Art. 15 Abs. 3 DSGVO)
Zusätzliche Selbstauskünfte im gleichen Jahrca. 20–35 €
Fremdauskunft über Dritten (Kurzauskunft)ca. 12–20 €
Fremdauskunft ausführlichca. 28–80 €
Monitoring pro Firma/Jahrca. 60–120 €

Typischer Ablauf einer B2B-Kreditprüfung

  1. Kreditantrag mit Bilanz und aktueller BWA einreichen
  2. Bank fordert Auskünfte bei Creditreform + SCHUFA Business an
  3. Bank berechnet internes Rating aus Bilanzkennzahlen und Kontoführung
  4. Kreditausschuss oder Auto-Scoring entscheidet
  5. Bei Ablehnung: Recht auf Anhörung und ggf. auf Neuprüfung durch Menschen (Art. 22 DSGVO)

Online-Bonitätsprüfung im Echtzeit-Handel

Immer mehr E-Commerce-Anbieter und B2B-Marktplätze prüfen in Sekundenbruchteilen beim Checkout: Zahlart wird abhängig vom Score angeboten (Vorkasse vs. Rechnung vs. Rate). Wichtig: nach Art. 22 DSGVO müssen Sie eine menschliche Nachprüfung verlangen können, wenn die Entscheidung ausschliesslich automatisiert erfolgt.

Was tun bei Ablehnung?

(1) Selbstauskunft ziehen, (2) Fehler identifizieren, (3) Berichtigung oder Löschung fordern, (4) parallel bei der ablehnenden Bank/Leasing eine erneute Prüfung nach 4–8 Wochen anstossen. Detaillierte Anleitung: Wie kann ich meine Bonität verbessern?.

FAQ

Häufige Fragen

Muss ich einer Bonitätsprüfung immer zustimmen?
Wenn die Prüfung Voraussetzung für den Vertragsabschluss ist (Kredit, Leasing, gewerbliche Miete), können Sie faktisch nicht widersprechen ohne den Vertrag zu verlieren. Bei rein automatisierter Ablehnung haben Sie jedoch nach Art. 22 DSGVO das Recht auf menschliche Nachprüfung.
Was kostet eine Bonitätsprüfung mich?
Als Geprüfter meist gar nichts — der Anfragende trägt die Kosten. Die eigene Selbstauskunft ist einmal jährlich kostenlos nach Art. 15 Abs. 3 DSGVO.
Wie lange dauert eine Bonitätsprüfung?
Auskunfteidaten liegen in Sekunden vor. Eine vollständige Bank-Kreditprüfung mit internem Rating dauert je nach Volumen 1–14 Werktage.
Kann ich sehen, wer eine Auskunft über mich eingeholt hat?
Ja, in der Selbstauskunft nach Art. 15 DSGVO — die Empfänger der letzten 12 Monate müssen angegeben werden.
Was ist eine "automatisierte Entscheidung" nach Art. 22 DSGVO?
Eine Entscheidung, die ausschliesslich auf automatisierter Datenverarbeitung beruht — ohne menschliches Eingreifen. Sie haben ein Recht auf menschliche Nachprüfung und darauf, Ihren Standpunkt darzulegen.
Was tue ich, wenn ich abgelehnt wurde?
Selbstauskunft ziehen, Fehler identifizieren, Berichtigung/Löschung fordern, dann bei der ablehnenden Stelle nach 4–8 Wochen erneut anfragen. Detaillierte Anleitung im Ratgeber "Wie kann ich meine Bonität verbessern?".
Kann ich Bonitätsprüfungen bei mir generell verbieten?
Nein — bei berechtigtem wirtschaftlichem Interesse (Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO) ist die Abfrage zulässig. Sie können aber die gespeicherten Daten kontrollieren, korrigieren und ggf. löschen lassen.

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