Inhaltsverzeichnis · 12 Abschnitte
- Wenn die Bank plötzlich „mehr als den Jahresabschluss“ will
- So funktioniert es wirklich: Was die 7. MaRisk-Novelle bei Krediten verändert
- Welche Unterlagen und Kennzahlen Banken jetzt typischerweise anfordern
- DSCR als Schlüsselgröße: Was dahinter steckt und wie Banken ihn lesen
- Stresstests und zukunftsorientierte Prüfung: Welche Szenarien realistisch sind
- ESG-Risiken: Warum das Thema jetzt im Kreditprozess landet
- Was Bonifix in der Beratung sieht: Die typischen Sollbruchstellen
- Handlungsplan: So stellen Sie Ihr Unternehmen bankfähig nach MaRisk 7 auf
- Vergleich: Einmalprüfung früher vs. laufendes Monitoring heute
- Welche Unterlage wofür dient: Ein praktischer Überblick
- Fehler und Fallstricke, die Konditionen kosten
- Regionaler Bezug: Deutschland und Schweiz im Vergleich
Wenn die Bank plötzlich „mehr als den Jahresabschluss“ will
In der Praxis beginnt es oft unspektakulär: Der Betrieb braucht eine Erweiterungsfinanzierung, eine neue Kontokorrentlinie oder die Verlängerung eines Investitionsdarlehens. Früher reichten häufig Jahresabschluss, ein paar Erläuterungen und ein Bankgespräch. Seit Mitte 2023 erleben wir in der Beratung etwas anderes: Banken fragen schneller nach aktuellen Steuerungsdaten, wollen Forecasts sehen und prüfen nicht nur die einmalige Kreditentscheidung, sondern die laufende Tragfähigkeit.
Typische Situationen, die Unternehmer derzeit treffen:
- Ein Speditionsbetrieb aus NRW beantragt eine zusätzliche Linie wegen höherer Diesel- und Personalkosten. Die Bank verlangt eine 12‑Monats-Liquiditätsplanung und ein Szenario „Zins +2 Prozentpunkte“.
- Ein Handwerk-Meister aus Düsseldorf will Maschinen leasen. Die Bank fordert eine frische BWA mit Vorjahresvergleich und eine Erklärung, warum die Rohertragsmarge schwankt.
- Eine Bau-UG braucht Avale. Die Bank fragt nach Cashflow-Analyse und nach dem Risiko eines Großkundenverlusts.
Der Auslöser ist selten „Strenge um der Strenge willen“. Die 7. MaRisk-Novelle hat die Messlatte für Banken angehoben: Kreditvergabe und Kreditüberwachung müssen tiefer, strukturierter und stärker zukunftsorientiert erfolgen. Wer als Unternehmen vorbereitet ist, reduziert Reibungsverluste, Zeitverzug und unnötige Konditionsaufschläge.
So funktioniert es wirklich: Was die 7. MaRisk-Novelle bei Krediten verändert
Die MaRisk sind die Mindestanforderungen an das Risikomanagement, die die deutsche Bankenaufsicht über die BaFin setzt. Mit der 7. Novelle, wirksam seit Juni 2023, wurde die europäische EBA-Leitlinie zur Kreditvergabe und -überwachung (EBA/GL/2020/06) in die deutsche Aufsichtspraxis übertragen.
Für Unternehmen ist weniger wichtig, wie das Regelwerk im Detail heißt, sondern was sich im Bankprozess spürbar verändert:
- Mehr Zukunft statt Rückspiegel: Jahresabschlüsse bleiben wichtig, reichen aber als alleinige Grundlage nicht mehr. Banken müssen plausibel beurteilen, wie sich Liquidität und Kapitaldienstfähigkeit in den nächsten 12 Monaten entwickeln.
- Mehr Datenpunkte, mehr Struktur: Die Kreditakte soll konsistent sein: aktuelle BWA, Summen- und Saldenlisten, Cashflow-Betrachtungen, Planungen und Erläuterungen.
- Regelmäßige Überwachung: Nicht nur bei Antrag oder Verlängerung. Je nach Risiko wird der Kredit laufend überwacht. Das bedeutet: wiederkehrende Reporting-Anforderungen und schnellere Eskalationen bei Abweichungen.
- Stresstests werden Standard: Banken sollen prüfen, ob der Kapitaldienst auch bei realistischen Belastungen tragbar bleibt.
- ESG-Risiken sind explizit: Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken müssen in die Risikoanalyse einfließen. Das ist kein „Nice-to-have“, sondern Bestandteil der Beurteilung.
In der Konsequenz verschiebt sich die Rolle des Unternehmens im Kreditprozess: Wer Kennzahlen, Treiber und Planannahmen selbst erklären kann, wird als steuerungsfähig wahrgenommen. Wer nur „vom Steuerberater“ liefert, ohne Einordnung, wirkt in einem zukunftsorientierten Prüfprozess schnell unsicher.
Welche Unterlagen und Kennzahlen Banken jetzt typischerweise anfordern
Die Novelle führt nicht zu einem einheitlichen Dokumentenpaket für alle, aber in der Praxis sehen wir wiederkehrende Muster.
Unterlagen, die regelmäßig zusätzlich zum Jahresabschluss verlangt werden:
- Aktuelle BWA mit Vorjahresvergleich; in vielen Häusern gilt als praktische Erwartung: nicht älter als drei Monate
- Summen- und Saldenliste (SuSa) zur Plausibilisierung der BWA
- Liquiditätsplanung über 12 Monate (monatlich, mit Ein- und Auszahlungen)
- Cashflow-Betrachtung: operativer Cashflow, Investitions- und Finanzierungscashflow, Treiberanalyse
- Bei projektgetriebenen Firmen (Bau, IT, Maschinenbau): Auftragsbestand, Pipeline, WIP, Nachkalkulationen
- Bei Handels- und Produktionsfirmen: Lagerentwicklung, Debitorenlaufzeiten, Kreditorenlaufzeiten
Kennzahlen, die in vielen Gesprächen zentral werden:
- DSCR (Debt Service Coverage Ratio) als Kernmaß für Kapitaldienstfähigkeit
- Eigenkapitalquote und wirtschaftliche Eigenmittel
- Liquiditätskennzahlen (kurzfristige Liquidität, Working-Capital-Entwicklung)
- Cashflow-Marge und Stabilität der operativen Mittelzuflüsse
- ESG-Indikatoren: je nach Branche zum Beispiel Energieintensität, Lieferkettenrisiken, Compliance-Strukturen
Wichtig ist: Die Bank bewertet nicht nur „Höhe der Zahl“, sondern die Erklärbarkeit. Eine GmbH & Co. KG mit schwankender BWA kann dennoch gut finanzierbar sein, wenn Treiber, Saisonalität und Gegenmaßnahmen sauber dokumentiert sind.
DSCR als Schlüsselgröße: Was dahinter steckt und wie Banken ihn lesen
In der aktuellen Kreditpraxis ist DSCR häufig die Kennzahl, an der sich Entscheidungen bündeln. Vereinfacht setzt sie den operativen Cashflow ins Verhältnis zum Schuldendienst.
Orientierungsformel:
- DSCR = Operativer Cashflow / (Zinszahlungen + Tilgung)
Interpretation als grobe Praxislogik:
- DSCR 1,0: Der operative Cashflow reicht gerade so für Zins und Tilgung.
- DSCR 1,5: Es besteht ein Puffer. In vielen Diskussionen wird das als deutlich komfortabler bewertet, weil ein Rückgang des Cashflows eher verkraftbar ist.
Was Unternehmen oft unterschätzen: Der DSCR hängt nicht nur vom Ergebnis ab, sondern stark von Working Capital (Lager, Forderungen), Investitionen und Zahlungszielen. Ein profitabler Betrieb kann einen schwachen DSCR haben, wenn Debitoren zu langsam zahlen oder Lagerbestände steigen.
So bereiten wir in der Praxis die DSCR-Story auf:
- Cashflow-Treiber (EBITDA, Steuern, Veränderungen Forderungen/Lager/Kreditoren)
- Einmalige Effekte (Sondereinnahmen, Nachzahlungen, Investitionsspitzen)
- Ableitung eines „normalisierten“ Cashflows und ein konservativer DSCR für Stressszenarien
Gerade bei Bau-UGs sehen wir oft hohe Ergebnisvolatilität: Abschlagszahlungen, Gewährleistungsrückstellungen und projektbezogene Materialspitzen verschieben Cashflows. Ohne diese Erklärung wirkt der DSCR im Bankgespräch schnell „zu schlecht“, obwohl das Geschäftsmodell tragfähig ist.
Stresstests und zukunftsorientierte Prüfung: Welche Szenarien realistisch sind
Mit der 7. MaRisk-Novelle sind Stresstests zur Kapitaldienstfähigkeit faktisch in den Standardprozess gerückt. Banken wollen sehen, ob der Kredit auch dann bedienbar bleibt, wenn sich Rahmenbedingungen verschlechtern.
Stressannahmen, die wir häufig sehen:
- Umsatzrückgang um 10 Prozent (moderater Stress)
- Umsatzrückgang um 20 Prozent (deutliches Stressbild)
- Zinsanstieg auf variable Anteile oder bei Prolongation
- Kostenanstieg (Rohstoffe, Energie, Löhne)
- Wegfall eines Großkunden oder Lieferantenprobleme
Gute Vorbereitung bedeutet nicht, „optimistische Zahlen“ abzugeben, sondern:
- Szenarien nachvollziehbar zu rechnen
- Gegenmaßnahmen zu dokumentieren (Preisweitergabe, Kostenprogramme, Factoring, Lagerabbau)
- eine Liquiditätslinie und Sicherheitenstruktur so zu planen, dass Stressphasen überbrückt werden
Für einen Speditionsbetrieb kann ein Stressbild beispielsweise zeigen, wie sich Dieselpreisschwankungen und Mautkosten auf den operativen Cashflow auswirken und ab welchem Punkt Preisanpassungen zwingend werden.
ESG-Risiken: Warum das Thema jetzt im Kreditprozess landet
ESG wird im Kreditprozess nicht nur als „Nachhaltigkeitsbericht“ verstanden, sondern als Risikofrage: Welche Umwelt-, Sozial- oder Governance-Themen können Ertrag, Liquidität oder Reputation beeinflussen?
Was Banken in der Praxis abprüfen:
- Environmental: Energie- und Materialintensität, Abhängigkeit von bestimmten Rohstoffen, regulatorische Risiken
- Social: Arbeitssicherheit, Fachkräftesituation, Abhängigkeit von Subunternehmern
- Governance: Compliance, transparente Eigentümerstruktur, Dokumentation, Risikosteuerung
Für Mittelständler ist die pragmatische Linie entscheidend: Nicht jedes Unternehmen braucht einen ESG-Bericht nach komplexen Standards. Aber es braucht eine plausible Darstellung der wesentlichen ESG-Risiken und der Steuerung. Bei einer GmbH & Co. KG im Bauumfeld kann das z. B. die saubere Dokumentation von Subunternehmern, Arbeitsschutz und Nachunternehmerkette sein.
Was Bonifix in der Beratung sieht: Die typischen Sollbruchstellen
In unseren Fällen rund um Düsseldorf und darüber hinaus ist selten das Geschäftsmodell das Problem, sondern die Übersetzung in bankfähige Unterlagen.
Wiederkehrende Muster:
- BWA ohne Aussagekraft: fehlende Abgrenzungen, keine Vorjahresgegenüberstellung, Sondereffekte nicht erklärt
- Planung „nur als Excel“ ohne Logik: keine Annahmen, keine Sensitivität, keine Ableitung aus Aufträgen und Kapazitäten
- Cashflow wird unterschätzt: Unternehmen denken in Gewinn, die Bank entscheidet zunehmend in Liquidität
- Negativeinträge und Datenfehler: Unstimmigkeiten bei Creditreform, CRIF, Bürgel oder SCHUFA-B2B verschlechtern das Bild, obwohl operativ alles passt
- Bankgespräch ohne Narrativ: Zahlen werden geliefert, aber nicht in eine schlüssige Geschichte über Risiken, Maßnahmen und Steuerung eingebettet
Bonifix arbeitet in solchen Situationen typischerweise entlang eines klaren Vorgehens:
- Audit der bonitätsrelevanten Datenlage
- Korrektur fehlerhafter Einträge und Stammdaten
- Ergänzung der Finanzunterlagen (BWA, SuSa, Bilanz-Trio als konsistente Sicht auf GuV, Bilanz und Cashflow)
- Prüfung und, wenn möglich, Entfernung unberechtigter Negativeinträge
- fortlaufendes Score-Monitoring, damit Änderungen früh sichtbar werden
Ein dezenter Score-Check oder ein vollständiges Vollaudit hilft oft, bevor die Bank im Monitoring „gelb“ oder „rot“ schaltet.
Handlungsplan: So stellen Sie Ihr Unternehmen bankfähig nach MaRisk 7 auf
Der folgende Ablauf ist praxiserprobt, weil er die neue Logik aus Unterlagen, Kennzahlen und Überwachung abbildet.
- Unterlagenhygiene herstellen: BWA aktuell, SuSa verfügbar, Vorjahresvergleich und Erläuterungen zu Abweichungen.
- 12‑Monats-Liquiditätsplanung aufsetzen: monatlich, zahlungsstrombasiert, mit klaren Annahmen.
- Cashflow und DSCR berechnen: operativer Cashflow, Schuldendienst und DSCR transparent herleiten.
- Stresstests rechnen: mindestens Umsatz minus 10 und minus 20 Prozent sowie Zins- und Kostenstress; Auswirkungen auf DSCR und Liquidität darstellen.
- ESG-Risiken pragmatisch abbilden: wesentliche Risiken und Steuerungsmaßnahmen auf einer Seite zusammenfassen.
- Daten in Auskunfteien prüfen: Creditreform, CRIF, Bürgel, SCHUFA-B2B; Fehler korrigieren und veraltete Negativmerkmale bereinigen.
- Bankgespräch strukturieren: Storyline, Kennzahlen, Maßnahmenkatalog, Covenants und Reporting-Takt vorab abstimmen.
Wenn Sie die Schritte 1 bis 4 sauber vorbereiten, wird die Bankprüfung in der Regel schneller, und die laufende Überwachung erzeugt weniger „Ad-hoc“-Nachforderungen.
Vergleich: Einmalprüfung früher vs. laufendes Monitoring heute
| Aspekt | Häufige Praxis früher | Praxis unter MaRisk 7 (typisch) |
|---|---|---|
| Fokus | Vergangenheitsdaten (Abschluss) | Zukunftsfähigkeit, Cashflow, Szenarien |
| Unterlagen | Abschluss, teils BWA | Abschluss plus BWA, SuSa, Cashflow, 12‑Monats-Plan |
| Prüfung | punktuell bei Antrag | risikoorientiert, wiederkehrend |
| Kennzahlen | Ergebnis, EK-Quote | DSCR, Liquidität, Cashflow-Marge, EK-Quote |
| Reaktion auf Abweichungen | oft später | schneller, mit Nachfragen und Auflagen |
Welche Unterlage wofür dient: Ein praktischer Überblick
| Dokument / Kennzahl | Wofür die Bank es nutzt | Typischer Fehler im Mittelstand |
|---|---|---|
| BWA (aktuell) | Frühindikator für Ergebnis und Margen | zu alt, ohne Vorjahresvergleich |
| SuSa | Plausibilität und Buchungslogik | nicht verfügbar oder ungeordnet |
| 12‑Monats-Liquidität | Zahlungsfähigkeit, Linienbedarf | GuV-Plan statt Zahlungsstrom |
| Cashflow-Analyse | Kapitaldienstfähigkeit | Gewinn mit Cashflow verwechselt |
| DSCR | zentrale Tragfähigkeitskennzahl | Schuldendienst unvollständig angesetzt |
| ESG-Kurzdarstellung | Risikofaktoren und Steuerung | zu allgemein, ohne Branchenbezug |
Fehler und Fallstricke, die Konditionen kosten
Die neuen Anforderungen sind beherrschbar, aber bestimmte Fehler sind teuer, weil sie als „Risikomangel“ interpretiert werden.
Häufige Fallstricke:
- BWA ohne Qualitätssicherung: fehlende Abgrenzungen führen zu scheinbaren Einbrüchen
- Keine Erklärung für Saisonalität: bei Handwerk und Bau normal, ohne Kommentar aber kritisch
- Liquiditätsplanung ohne Sensitivität: ein Basisszenario reicht selten
- Stresstest „schön gerechnet“: Banken erkennen unrealistische Annahmen schnell
- Auskunftei-Daten nicht gepflegt: falsche Rechtsform, alte Adressen, doppelte Datensätze, überholte Negativmerkmale
- Covenants ignoriert: DSCR- oder EK-Quoten-Zusagen müssen intern überwacht werden
Konsequenzen, die wir in der Praxis sehen:
- wiederholte Nachforderungen und längere Bearbeitungszeiten
- Risikoaufschläge bei Zins und Gebühren
- Reduktion von Limiten oder zusätzliche Sicherheiten
- Intensivierung der Überwachung bis hin zur Überprüfung der Kreditlinie
Regionaler Bezug: Deutschland und Schweiz im Vergleich
In Deutschland sind die MaRisk die zentrale nationale Leitplanke für Banken, konkretisiert durch die BaFin. Die 7. Novelle setzt europäische Erwartungen an Kreditvergabe und Kreditüberwachung in die Praxis um.
Für Unternehmen mit Aktivitäten in der Schweiz ist wichtig: Die rechtlichen Regelwerke heißen anders, aber die Banklogik ist sehr ähnlich. Schweizer Banken arbeiten ebenfalls stark kennzahlen- und cashflow-orientiert und verlangen bei Unternehmensfinanzierungen zunehmend:
- aktuelle Managementzahlen
- Liquiditäts- und Szenarioplanung
- transparente Eigentümer- und Governance-Strukturen
In grenznahen Konstellationen (z. B. deutscher Mittelstand mit Schweizer Kunden oder Lieferanten) lohnt es sich, die Reporting-Struktur so aufzubauen, dass sie beiden Seiten genügt: saubere BWA/Reporting, belastbarer Cashflow und ein klarer Umgang mit ESG-Risiken.
Wenn Sie in Deutschland bereits „MaRisk-7-fähig“ reporten, sind Sie erfahrungsgemäß auch für viele Schweizer Bankanforderungen gut aufgestellt.
BWA und SuSa aktualisieren
Sorgen Sie für eine BWA mit Vorjahresvergleich und eine verfügbare SuSa; erklären Sie Sondereffekte und Abgrenzungen nachvollziehbar.
12‑Monats-Liquiditätsplanung erstellen
Planen Sie monatliche Ein- und Auszahlungen, inklusive Steuerzahlungen, Investitionen, Leasing, Tilgung und saisonalen Effekten.
DSCR und Cashflow ableiten
Leiten Sie operativen Cashflow und Schuldendienst sauber her und berechnen Sie den DSCR; dokumentieren Sie Working-Capital-Treiber.
Stresstests rechnen
Simulieren Sie mindestens Umsatz minus 10 und minus 20 Prozent sowie Zins- und Kostenanstieg; zeigen Sie Auswirkungen auf DSCR und Liquidität.
ESG-Risiken kurz dokumentieren
Fassen Sie branchentypische ESG-Risiken und Ihre Steuerungsmaßnahmen kompakt zusammen, damit die Bank die Einordnung vornehmen kann.
Auskunfteien prüfen und bereinigen
Prüfen Sie Daten bei Creditreform, CRIF, Bürgel und SCHUFA-B2B; korrigieren Sie Fehler und klären Sie unberechtigte Negativeinträge.
Bankgespräch strukturieren
Bereiten Sie eine klare Storyline vor: Entwicklung, Risiken, Maßnahmen, Kennzahlen, Covenants und Reporting-Takt – passend zum Kreditvorhaben.
Vergleich der Alternativen
| Kriterium | Vorher häufig | Unter MaRisk 7 typisch |
|---|---|---|
| Unterlagenumfang | Abschluss dominiert | Mehr Management-Reporting (BWA, SuSa, Cashflow, Liquiditätsplan) |
| Prüfzeitpunkt | Einmalprüfung bei Antrag | Wiederkehrende, risikoorientierte Überwachung |
| Kernkennzahlen | Gewinn, EK-Quote | DSCR, Liquidität, Cashflow-Marge plus EK-Quote |
| Szenarien | selten formal | Stresstests zur Kapitaldienstfähigkeit |
| Risikofokus | Vergangenheit | Zukunftsfähigkeit inkl. ESG-Risiken |
Glossar
Begriffe kurz erklärt
- MaRisk
- Mindestanforderungen an das Risikomanagement; zentrale Vorgaben der deutschen Bankenaufsicht für Organisation und Prozesse von Banken, darunter Kreditvergabe und Kreditüberwachung.
- BaFin
- Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht; beaufsichtigt Banken in Deutschland und veröffentlicht unter anderem MaRisk-Rundschreiben.
- EBA/GL/2020/06
- Leitlinie der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde zur Kreditvergabe und -überwachung, die in Deutschland über die MaRisk-Novelle in die Aufsichtspraxis übertragen wurde.
- BWA
- Betriebswirtschaftliche Auswertung aus der Finanzbuchhaltung; dient Banken als aktueller Frühindikator für Ergebnis- und Margenentwicklung.
- SuSa
- Summen- und Saldenliste; Detailauszug aus der Buchhaltung zur Plausibilisierung von BWA und Kontenbewegungen.
- DSCR
- Debt Service Coverage Ratio; Verhältnis von operativem Cashflow zum Schuldendienst aus Zinsen und Tilgung und damit Kernmaß der Kapitaldienstfähigkeit.
- Stresstest
- Szenarioanalyse, die zeigt, wie sich negative Entwicklungen (z. B. Umsatzrückgang, Zins- oder Kostenanstieg) auf Liquidität und Kapitaldienst auswirken.
- ESG
- Environmental, Social, Governance; Sammelbegriff für Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken, die Banken explizit in die Kreditrisikoanalyse einbeziehen.
FAQ
Häufige Fragen
- Gilt MaRisk 7 direkt für Unternehmen?
- Adressat sind Banken. Praktisch wirkt MaRisk 7 aber unmittelbar auf Unternehmen, weil Banken für Kreditvergabe und Überwachung mehr Informationen, Planungen und Stresstests einfordern.
- Welche Unterlagen werden am häufigsten zusätzlich zum Jahresabschluss verlangt?
- In vielen Fällen: aktuelle BWA mit Vorjahresvergleich, Summen- und Saldenliste, 12‑Monats-Liquiditätsplanung und eine Cashflow- bzw. Kapitaldienstfähigkeitsbetrachtung inkl. DSCR.
- Wie aktuell muss eine BWA sein?
- Als praxisnahe Erwartung gilt häufig: nicht älter als drei Monate. Entscheidend ist weniger der Stichtag als die Plausibilität und der Vorjahresvergleich mit erklärten Abweichungen.
- Welche DSCR-Werte sind „gut“?
- Ein DSCR von 1,0 bedeutet rechnerisch gerade ausreichenden Cashflow für Zins und Tilgung. Werte deutlich über 1,0 werden als Puffer interpretiert. Die Zielgröße hängt von Branche, Schwankungen und Sicherheiten ab.
- Was passiert, wenn Liquiditätsplanung oder Stresstest fehlen?
- Typisch sind Nachforderungen, längere Bearbeitung und Risikoaufschläge. Bei laufender Überwachung können fehlende oder schwache Nachweise auch zu Auflagen, Limitreduktionen oder einer intensiveren Prüfung führen.
- Wie kommen ESG-Themen in die Kreditentscheidung?
- Banken berücksichtigen ESG als Risikofaktoren: regulatorische, operative und Reputationsrisiken. Praktisch hilft eine kurze, branchenspezifische Darstellung der wesentlichen ESG-Risiken und Ihrer Steuerung.
- Welche Rolle spielen Auskunfteien wie Creditreform oder CRIF?
- Sie beeinflussen das externe Bonitätsbild. Fehlerhafte Stammdaten oder veraltete Negativmerkmale können Konditionen verschlechtern oder zusätzliche Prüfungen auslösen. Eine regelmäßige Datenprüfung ist Teil der Vorbereitung.
- Wie unterstützt Bonifix konkret?
- Bonifix arbeitet typischerweise über Audit, Datenkorrektur, Ergänzung der Unterlagen (BWA, SuSa, Bilanz-Trio), Klärung unberechtigter Negativeinträge und Score-Monitoring. Ziel ist eine belastbare, bankfähige Darstellung der Kapitaldienstfähigkeit.
Quellen
Behandelte Themen
- Bonifix GmbH
- Düsseldorf
- BaFin
- MaRisk
- EBA
- EBA/GL/2020/06
- DSCR
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- CRIF
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Fachredaktion für B2B-Bonitätsmanagement. Spezialisiert auf Creditreform und CRIF Bürgel. Über 1.200 begleitete Index-Verbesserungen seit 2021.
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