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Ratgeber

Kreditwürdigkeit prüfen: Anleitung für Unternehmen (eigene und fremde)

Die 6 Kennzahlen, die jede Bank berechnet, Rating-Klassen im Überblick, 30-Minuten-Selbstcheck und wie Sie andere Firmen prüfen.

Bonifix RedaktionFachredaktion FirmenbonitätAktualisiert Juli 202610 Min Lesezeit

„Kreditwürdigkeit" und „Bonität" werden im Alltag oft synonym verwendet — sind es aber nicht ganz. Kreditwürdigkeit im engeren Sinne ist die aus Bilanz und Ertragslage abgeleitete objektive Fähigkeit, einen Kredit zu bedienen. Bonität umfasst zusätzlich das Zahlungsverhalten. Dieser Ratgeber zeigt, welche Kennzahlen wirklich zählen — für die Selbstprüfung und für den Check anderer Firmen.

Der rechtliche Rahmen — § 18 KWG

Banken sind bei Krediten > 750.000 € oder > 10 % des haftenden Eigenkapitals verpflichtet, sich vor Kreditvergabe die wirtschaftlichen Verhältnisse offenlegen zu lassen (Bilanzen, GuV, laufende BWA, ggf. Vermögensverzeichnis der Gesellschafter). Verstösse werden BaFin-relevant. Für kleinere Kredite regeln die MaRisk (Mindestanforderungen an das Risikomanagement) die interne Rating-Pflicht.

Die 6 Kennzahlen, die jede Bank berechnet

KennzahlFormelGuter Wert (KMU)
EigenkapitalquoteEK / Bilanzsumme> 25 %
EBITDA-MargeEBITDA / Umsatz> 10 %
KapitaldienstfähigkeitCashflow / (Zinsen + Tilgung)> 1,3
ZinsdeckungsgradEBIT / Zinsaufwand> 3,0
Dynamischer VerschuldungsgradNetto-Fremdkapital / Cashflow< 4 Jahre
Working-Capital-QuoteWorking Capital / Umsatz10–20 %

Diese Zahlen fliessen in ein internes Bank-Rating, das häufig auf einer Skala ähnlich Bundesbank-LRA (Leitfaden Rating) läuft — Kategorien vergleichbar mit S&P-Grades von BBB (guter Investment-Grade) über BB und B bis CCC (kritisch).

Selbstprüfung — der 30-Minuten-Kennzahlen-Check

  1. Aktuelle Bilanz + GuV bereitlegen
  2. Die sechs Kennzahlen berechnen (Excel oder DATEV-Auswertung)
  3. Werte mit der Zielspalte oben abgleichen
  4. Auffälligkeiten notieren und mit dem Steuerberater die drei grössten Baustellen priorisieren
  5. Parallel: Selbstauskunft bei Creditreform + SCHUFA Business anfordern (siehe Selbstauskunft-Ratgeber)

Fremdprüfung — andere Firmen prüfen

Wer die Kreditwürdigkeit eines Neukunden, Lieferanten oder Kooperationspartners prüfen will, hat zwei parallele Wege:

  • Wirtschaftsauskunft — Creditreform-Firmenauskunft oder ein Wettbewerber; liefert Bonitätsindex, Kreditlimit-Empfehlung und Bilanzkennzahlen (Details: Creditreform-Firmenauskunft einholen)
  • Bundesanzeiger + Handelsregister direkt — bei Kapitalgesellschaften ist die Bilanz öffentlich und liefert alle sechs Kennzahlen kostenlos

Rating-Klassen und Konsequenzen

Rating-KlasseBeschreibungKredit-Zinsaufschlag ggü. AAA
AAA / AABeste Bonität0 bp
ASehr gut+30–60 bp
BBBInvestment-Grade+80–150 bp
BBspekulativ+200–350 bp
Bhoch riskant+400–700 bp
CCC/CC/CAusfall-naheKredit meist verweigert

Verbesserungs-Hebel

  • Eigenkapital-Effekt — Rangrücktritt auf Gesellschafterdarlehen nach § 39 Abs. 2 InsO (das Darlehen zählt wirtschaftlich zum EK)
  • Cashflow-Verbesserung — DSO-Senkung durch besseres Forderungsmanagement, Working-Capital-Optimierung
  • Bilanzpolitik — Aktivierung selbstgeschaffener immaterieller Vermögensgegenstände wo zulässig; Auflösung stiller Reserven
  • Sicherheiten — zusätzliche Sicherheiten senken den Zinsaufschlag auch bei gleichem Rating
  • Auskunfteidaten sauberhalten — vollständige Anleitung: Bonität verbessern Schritt für Schritt

FAQ

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kreditwürdigkeit und Bonität?
Kreditwürdigkeit im engeren Sinne meint die objektive Fähigkeit (Bilanz, Ertragslage). Bonität ist der weitere Begriff und umfasst zusätzlich die Zahlungsmoral (Zahlungserfahrungen).
Welche Kennzahl ist am wichtigsten?
Für die Bank meist die Kapitaldienstfähigkeit (Cashflow / Zinsen + Tilgung) und die Eigenkapitalquote. Werte < 1,3 bzw. < 15 % sind kritisch.
Wie prüfe ich die Kreditwürdigkeit einer anderen Firma?
Zwei Wege parallel: kostenpflichtige Wirtschaftsauskunft (Creditreform, CRIF Bürgel, SCHUFA Business) und/oder kostenlos Bilanz + Handelsregister aus dem Bundesanzeiger für Kapitalgesellschaften.
Was ist ein internes Bank-Rating?
Die von jeder Bank selbst erstellte Bonitätseinstufung — meist auf einer Skala vergleichbar mit S&P (AAA bis CCC). Grundlage: Bilanzkennzahlen, Kontoführung, Auskunfteidaten, qualitative Faktoren.
Wie oft wird das Bank-Rating aktualisiert?
Meist einmal jährlich nach Vorlage des Jahresabschlusses. Bei signifikanten Ereignissen (grosser Verlust, Insolvenzhinweise) kann eine ausserordentliche Anpassung erfolgen.
Was ist die Kapitaldienstfähigkeit?
Verhältnis von freiem Cashflow zu Zinsen und Tilgung. Werte > 1,3 gelten als komfortabel, < 1,0 sind kritisch (Cashflow reicht nicht mehr für den Kapitaldienst).
Wirkt ein Rangrücktritt auf Gesellschafterdarlehen wirklich?
Ja — nach § 39 Abs. 2 InsO wird das Darlehen wirtschaftlich wie Eigenkapital gewertet. Der Effekt auf EK-Quote und damit Rating kann erheblich sein, sollte aber steuerlich und rechtlich vorher mit dem Steuerberater sauber strukturiert werden.

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