Inhaltsverzeichnis · 23 Abschnitte
- Wenn die Bank plötzlich mehr sehen will als den Jahresabschluss
- So funktioniert es wirklich: MaRisk 7 wirkt über Prozesse, nicht über Paragrafen
- Welche Unterlagen heute praktisch erwartet werden
- Was Banken jetzt messen: Kennzahlen, DSCR und zukunftsorientierte Stresstests
- DSCR als zentrale Kapitaldienst-Kennzahl
- Stresstests: nicht akademisch, sondern bankpraktisch
- ESG-Risiken: der neue feste Punkt in der Prüfung
- Was Bonifix in der Beratung sieht: Die wahren Hebel liegen in Datenqualität und Konsistenz
- Wiederkehrende Muster aus Mandaten
- Handlungsplan: So werden Sie MaRisk-7-fest in der Kreditkommunikation
- 1) Setzen Sie einen monatlichen Zahlenrhythmus
- 2) Bauen Sie eine 12‑Monats-Liquiditätsplanung, die man erklären kann
- 3) Rechnen Sie DSCR und ergänzende Kennzahlen standardisiert
- 4) Legen Sie Stressszenarien fest und üben Sie die Diskussion
- 5) ESG-Kurzeinschätzung als „Einseiter“
- 6) Bereiten Sie das Bankgespräch wie ein Risikogespräch vor
- Vergleich: Was früher oft reichte vs. was jetzt regelmäßig verlangt wird
- Kennzahlenüberblick für die Praxis
- Fehler und Fallstricke: Was in der Kreditprüfung unnötig Punkte kostet
- Regionaler Bezug: Besonderheiten in Deutschland und Blick in die Schweiz
- Deutschland: Mittelstand, Sicherheiten und Reporting treffen aufeinander
- Schweiz: andere Regulierung, ähnliche Datenanforderung
- Fazit: MaRisk 7 belohnt Steuerungsfähigkeit
Wenn die Bank plötzlich mehr sehen will als den Jahresabschluss
Viele Mittelständler kennen die Situation: Der Kredit läuft seit Jahren, die Linie ist eingeräumt, und bisher reichte der testierte Abschluss oder die EÜR als jährlicher Pflichttermin. Seit 2023 erleben wir jedoch häufiger, dass Banken mitten im Jahr nach aktuellen Zahlen, Planungen und Szenarien fragen – nicht als „nice to have“, sondern als Bedingung für Verlängerung, Covenant-Freigabe oder Konditionsprüfung.
Typische Fälle aus der Beratung in Düsseldorf und Umgebung:
- Ein Handwerk-Meisterbetrieb will Maschinen finanzieren. Die Bank fragt nach DSCR, obwohl es bisher nur auf Sicherheiten ankam.
- Eine Bau-UG benötigt eine Aval-Linie. Plötzlich werden Liquiditätsplan und Kostensteigerungs-Szenario eingefordert.
- Ein Speditionsbetrieb mit variablem Diesel- und Lohnkostenblock soll Zins- und Kostenstress darstellen.
- Eine GmbH & Co. KG möchte einen Kontokorrentrahmen erhöhen. Die Bank verlangt BWA nicht älter als drei Monate und eine nachvollziehbare Erklärung zu Margenschwankungen.
Der Hintergrund ist nicht „strengere Bank“, sondern eine aufsichtsrechtliche Verschiebung: Banken müssen Kreditvergabe und Kreditüberwachung systematischer, standardisierter und zukunftsorientierter dokumentieren. Das führt dazu, dass die Anforderungen faktisch beim Unternehmen landen.
So funktioniert es wirklich: MaRisk 7 wirkt über Prozesse, nicht über Paragrafen
Die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) richten sich formal an Kreditinstitute und werden von der BaFin beaufsichtigt. Die 7. Novelle ist seit Juni 2023 wirksam und setzt die EBA-Leitlinien zur Kreditvergabe und -überwachung (EBA/GL/2020/06) in deutsches Aufsichtsrecht um.
Für Unternehmen sind drei Wirkmechanismen entscheidend:
- Mehr Tiefe in der Bonitätsprüfung: Bankinterne Kreditentscheidungen müssen stärker auf aktuelle Steuerungsdaten und Zukunftsfähigkeit abstellen.
- Standardisierung: Kennzahlen, Mindestdatenpunkte und Dokumentationslogik werden vereinheitlicht. Das reduziert Ermessensspielräume im positiven wie im negativen Sinn.
- Laufende Überwachung: Nach Kreditvergabe endet die Arbeit nicht. Größere oder risikoreichere Engagements werden engmaschig begleitet.
Wichtig: Es geht nicht nur um „mehr Unterlagen“, sondern um Begründbarkeit. Eine Bank muss plausibel darlegen können, warum ein Kredit tragfähig ist – auch unter Stress.
Welche Unterlagen heute praktisch erwartet werden
In vielen Bankprozessen sehen wir ein wiederkehrendes Set an Daten, das Unternehmen liefern sollten:
- BWA: idealerweise aktuell und nicht älter als drei Monate
- Summen- und Saldenliste (SuSa) als Plausibilisierung und Detailbasis
- Cashflow-Betrachtung (mindestens operativ, oft plus Investitionen und Finanzierung)
- 12‑Monats-Liquiditätsplanung mit Annahmen und Herleitung
- Kennzahlenpaket (Eigenkapitalquote, Liquiditätskennzahlen, Cashflow-Marge, DSCR)
- Kurze ESG-Risikoeinschätzung: wo liegen wesentliche Umwelt-, Sozial- oder Governance-Risiken für das Geschäftsmodell?
Der Jahresabschluss bleibt wichtig, ist aber häufig zu langsam: Er bildet Vergangenheit ab. MaRisk 7 drückt Banken in Richtung „aktuelle Steuerungsfähigkeit“.
Was Banken jetzt messen: Kennzahlen, DSCR und zukunftsorientierte Stresstests
Mit MaRisk 7 hat die Kennzahlenanalyse in vielen Häusern eine neue Rolle bekommen: Sie ist nicht mehr nur eine Ergänzung, sondern oft der Kern der Kreditargumentation.
DSCR als zentrale Kapitaldienst-Kennzahl
Die Debt Service Coverage Ratio (DSCR) beschreibt vereinfacht, ob der freie Cashflow den Kapitaldienst (Zins und Tilgung) deckt.
- DSCR 1,0 bedeutet: Der Cashflow reicht genau für den Kapitaldienst. Es gibt keinen Sicherheitspuffer.
- DSCR 1,5 steht für spürbare Reserve: Selbst bei deutlich geringerem Cashflow ist der Kapitaldienst eher noch tragbar.
In der Praxis ist nicht nur der Wert wichtig, sondern die Herleitung: Welche Cashflow-Basis wurde verwendet? Welche Tilgungsprofile sind eingerechnet? Wurden saisonale Effekte berücksichtigt?
Stresstests: nicht akademisch, sondern bankpraktisch
Die EBA-Leitlinien verlangen eine vorausschauende Beurteilung der Rückzahlungsfähigkeit. Daher fragen Banken nach Szenarien, die im Unternehmen ohnehin relevant sind.
Häufige Stressannahmen:
- Umsatzrückgang (oft in Größenordnungen von 10 bis 20 Prozent)
- Zinsanstieg auf variable Anteile oder Refinanzierung
- Kostenanstieg (Material, Energie, Personal)
- Wegfall eines Großkunden oder Projektverzögerungen
Entscheidend ist, dass das Szenario in Zahlen übersetzt wird: Was passiert mit Rohmarge, EBITDA, Cashflow und Liquidität? Und wie wirkt sich das auf DSCR und Covenants aus?
ESG-Risiken: der neue feste Punkt in der Prüfung
ESG ist nicht mehr nur ein „weiches Thema“. Banken müssen ESG-Risiken explizit in die Kreditwürdigkeitsprüfung integrieren. Für Unternehmen bedeutet das nicht automatisch einen umfangreichen Nachhaltigkeitsbericht. Häufig reicht eine strukturierte Kurzeinschätzung:
- Welche Umwelt- und Energiepreisrisiken existieren im Betrieb?
- Gibt es Abhängigkeiten in der Lieferkette, die sozial oder regulatorisch kritisch sind?
- Sind Governance-Strukturen, Compliance und Dokumentation belastbar?
Gerade bei Bau-UGs, Speditionen oder energieintensivem Handwerk kann eine klare Darstellung helfen, pauschale Risikozuschläge zu vermeiden.
Was Bonifix in der Beratung sieht: Die wahren Hebel liegen in Datenqualität und Konsistenz
In der Bonitäts-Beratung erleben wir selten, dass ein Unternehmen „zu schlecht“ ist. Häufiger ist die Darstellung zu dünn, zu spät oder widersprüchlich.
Wiederkehrende Muster aus Mandaten
- BWA ohne Aussagekraft: Konten nicht sauber abgegrenzt, Einmaleffekte nicht erläutert, private und betriebliche Bewegungen vermischt.
- Planung ohne Annahmen: Eine 12‑Monats-Liquiditätsplanung wird abgegeben, aber niemand kann erklären, warum die Einzahlungen realistisch sind.
- Kennzahlen ohne Brücke zur Realität: DSCR wird berechnet, aber Investitionen, Leasing oder Steuern sind unvollständig berücksichtigt.
- Negativsignale bei Auskunfteien: Veraltete, falsche oder unvollständige Daten bei Creditreform, CRIF, Bürgel oder SCHUFA-B2B verschlechtern das Bild zusätzlich.
Bonifix arbeitet typischerweise in einer klaren Reihenfolge:
- Audit der vorhandenen Unterlagen und der Auskunftei-Daten
- Datenkorrektur (z. B. Unternehmensdaten, Zahlungsinformationen, fehlerhafte Verknüpfungen)
- Bilanz-Ergänzungen für Bankfähigkeit (BWA, SuSa, Bilanz-Trio und Überleitungen)
- Prüfung auf Negativeinträge und, wo möglich, strukturierte Löschung oder Bereinigung
- Score-Monitoring zur Stabilisierung über die Zeit
In vielen Fällen verbessert bereits eine konsistente Datenlage die Verhandlungsposition, weil die Bank weniger „Risikopuffer“ einpreisen muss.
Handlungsplan: So werden Sie MaRisk-7-fest in der Kreditkommunikation
Die zentrale Idee ist: Sie liefern der Bank nicht „mehr Papier“, sondern ein überprüfbares, wiederholbares Reporting.
1) Setzen Sie einen monatlichen Zahlenrhythmus
- BWA und SuSa zeitnah nach Monatsende
- Abweichungsanalyse zu Vorjahr und Plan
- kurze Kommentierung (z. B. Materialquote, Projektmix, Sondereffekte)
2) Bauen Sie eine 12‑Monats-Liquiditätsplanung, die man erklären kann
- Einzahlungen: Umsätze nach Zahlungszielen, realistische Mahnläufe
- Auszahlungen: Löhne, Miete, Material, Steuern, Leasing, Darlehen
- Saison: Spitzen und Täler abbilden, nicht glätten
3) Rechnen Sie DSCR und ergänzende Kennzahlen standardisiert
Empfehlung: Kennzahlen so definieren, dass sie in jedem Quartal gleich berechnet werden. Das schafft Vergleichbarkeit.
Wichtige Kennzahlen, die Banken häufig in Paketen sehen wollen:
- Eigenkapitalquote
- Liquiditätskennzahlen (kurzfristige Deckung)
- Cashflow-Marge
- DSCR
4) Legen Sie Stressszenarien fest und üben Sie die Diskussion
Mindestens drei Szenarien sind praxisnah:
- Umsatzminus (z. B. -10 Prozent)
- Kostenanstieg (Material oder Personal)
- Zinsanstieg bzw. Refinanzierung zu höherem Niveau
Ergänzen Sie bei Abhängigkeiten ein viertes Szenario: Ausfall des größten Kunden.
5) ESG-Kurzeinschätzung als „Einseiter“
Strukturieren Sie knapp:
- Haupt-ESG-Risiken im Geschäftsmodell
- Maßnahmen und Standards (z. B. Fuhrparkmodernisierung, Arbeitsschutz, Compliance)
- Datenpunkte, die Sie bereits messen (Energieverbrauch, Unfallquote, Fluktuation)
6) Bereiten Sie das Bankgespräch wie ein Risikogespräch vor
- Frühzeitig kommunizieren, wenn Kennzahlen kippen
- Ursachen benennen und Gegenmaßnahmen quantifizieren
- Nicht nur „wird schon“, sondern „so stabilisieren wir Cash und DSCR“
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Unterlagen bankfähig sind, kann ein neutraler Score-Check oder ein Vollaudit helfen, bevor die Bank Fragen stellt.
Vergleich: Was früher oft reichte vs. was jetzt regelmäßig verlangt wird
| Thema | Früher in vielen Fällen ausreichend | Unter MaRisk 7 häufig erwarteter Standard |
|---|---|---|
| Finanzunterlagen | Jahresabschluss als Hauptdokument | Jahresabschluss plus aktuelle BWA und SuSa |
| Blickrichtung | Vergangenheitsorientiert | Zukunftsorientiert mit Planung und Szenarien |
| Kennzahlen | wenige Kennzahlen, teils individuell | systematisches Kennzahlenpaket inkl. DSCR |
| Liquidität | punktuelle Darstellung | 12‑Monats-Liquiditätsplanung als Regelbasis |
| Kommunikation | anlassbezogen, oft reaktiv | laufend, risikoorientiert, mit Frühwarnlogik |
| ESG | optional oder indirekt | als dokumentierter Risikofaktor integriert |
Kennzahlenüberblick für die Praxis
| Kennzahl | Was die Bank damit prüfen will | Typische Stolperstelle im Mittelstand |
|---|---|---|
| DSCR | Kapitaldienstfähigkeit aus Cashflow | Cashflow-Basis unklar, Tilgung nicht vollständig |
| Eigenkapitalquote | Puffer für Verlustjahre | stille Reserven nicht erklärt, Gesellschafterdarlehen falsch eingeordnet |
| Liquiditätskennzahlen | kurzfristige Zahlungsfähigkeit | saisonale Schwankungen nicht abgebildet |
| Cashflow-Marge | Ertragskraft in Zahlungsmitteln | Einmaleffekte verzerren, Working Capital ignoriert |
| ESG-Indikatoren | Zukunftsrisiken aus Regulierung und Markt | „kein Thema“ als Antwort ohne Begründung |
Fehler und Fallstricke: Was in der Kreditprüfung unnötig Punkte kostet
In der Praxis sind es selten einzelne Zahlen, die ein Rating drücken, sondern Verhaltens- und Prozessfehler.
Häufige Fallstricke:
- Reaktive Kommunikation: Erst melden, wenn die Bank fragt oder wenn die Linie schon angespannt ist.
- Verlass auf alte Abschlüsse: Ein guter Abschluss von vor 18 Monaten hilft wenig, wenn die aktuelle Marge kippt.
- Keine Szenariofähigkeit: Stressfragen werden als Misstrauen interpretiert statt als Standard.
- ESG ignorieren: „Betrifft uns nicht“ ohne Einordnung führt schnell zu pauschalen Zuschlägen.
- Verschlechterungen nicht erklären: Ein Margenrückgang ohne Kommentar wirkt wie Kontrollverlust.
- Dateninkonsistenz: BWA, Planung und Auskunftei-Daten erzählen unterschiedliche Geschichten.
Ein unterschätzter Punkt sind Auskunfteien: Wenn dort Umsatz, Rechtsform, Branchenzuordnung oder Zahlungserfahrungen nicht stimmen, kommt das als „externer“ Risikohinweis in die Bankakte. Das lässt sich häufig sachlich korrigieren, muss aber sauber dokumentiert werden.
Regionaler Bezug: Besonderheiten in Deutschland und Blick in die Schweiz
In Deutschland ist die MaRisk-Systematik über die BaFin-Aufsicht klar in der Bankenpraxis verankert. Für Unternehmen bedeutet das: Auch regional verwurzelte Häuser und Sparkassen werden in ihren Kreditprozessen stärker standardisieren, weil Prüfungen und interne Revision genau diese Nachvollziehbarkeit verlangen.
Deutschland: Mittelstand, Sicherheiten und Reporting treffen aufeinander
Gerade in NRW sehen wir viele Betriebe mit guter Auftragslage, aber schwankender Liquidität (z. B. Bau, Ausbaugewerke, Logistik). MaRisk 7 führt dazu, dass Banken Sicherheiten nicht mehr als alleinigen Rettungsanker betrachten. Entscheidend wird, ob die Kapitaldienstfähigkeit aus dem laufenden Geschäft ableitbar ist.
Praktisch heißt das: Wer in Düsseldorf eine GmbH & Co. KG führt und Investitionen plant, sollte Kennzahlen, Liquidität und Szenarien genauso ernst nehmen wie die Sicherheitenstruktur.
Schweiz: andere Regulierung, ähnliche Datenanforderung
Die Schweiz arbeitet nicht mit der MaRisk, aber Schweizer Banken orientieren sich ebenfalls an international geprägten Standards und internen Kreditrichtlinien. Für deutsche Unternehmen mit CH-Bezug oder für Schweizer Gesellschaften mit Finanzierung in Deutschland gilt daher: Die Erwartung an aktuelle Steuerungsdaten, Cashflow-Logik und ESG-Einordnung ist in der Praxis sehr ähnlich.
Wer grenzüberschreitend unterwegs ist, sollte sein Reporting so aufstellen, dass es sowohl in deutschen MaRisk-geprägten Prozessen als auch in Schweizer Kreditprüfungen anschlussfähig bleibt.
Fazit: MaRisk 7 belohnt Steuerungsfähigkeit
MaRisk 7 ist kein reines Bankenthema. Für Kreditnehmer ist es ein klarer Impuls, das eigene Zahlenwerk, die Planungslogik und die Kommunikationsroutine zu professionalisieren. Wer BWA, Liquiditätsplanung, DSCR, Stressszenarien und ESG-Risiken strukturiert liefern kann, reduziert Rückfragen, stabilisiert das Rating und verhandelt auf Augenhöhe.
Unterlagen-Inventur
Sammeln Sie Jahresabschluss, aktuelle BWA, SuSa, OP-Listen, Darlehensspiegel und bestehende Planungen. Prüfen Sie, was davon wirklich aktuell und konsistent ist.
Monatliches Reporting aufsetzen
Etablieren Sie einen festen Monatsprozess für BWA und SuSa inklusive kurzer Abweichungsanalyse und Management-Kommentar.
12‑Monats-Liquiditätsplanung erstellen
Bauen Sie eine rollierende Liquiditätsvorschau mit Zahlungszielen, saisonalen Effekten, Steuerterminen, Investitionen und Kapitaldienst.
Kennzahlen standardisieren (inkl. DSCR)
Definieren Sie Berechnungslogiken für DSCR, Eigenkapitalquote, Liquiditätskennzahlen und Cashflow-Marge, damit die Werte quartalsweise vergleichbar sind.
Stresstests rechnen
Rechnen Sie mindestens Umsatzrückgang, Kostenanstieg und Zinsanstieg durch und zeigen Sie die Auswirkungen auf Liquidität und DSCR samt Gegenmaßnahmen.
ESG-Kurzeinschätzung formulieren
Erstellen Sie eine knappe Risikoeinordnung zu Umwelt, Sozialem und Governance mit 3 bis 5 konkreten Risiken und Maßnahmen.
Bankgespräch vorbereiten
Bereiten Sie eine klare Storyline vor: Ausgangslage, Zahlen, Abweichungen, Szenarien, Maßnahmen. Kommunizieren Sie frühzeitig, nicht erst bei Problemen.
Vergleich der Alternativen
| Baustein | Wofür die Bank ihn nutzt | Praxis-Tipp für Unternehmen |
|---|---|---|
| Aktuelle BWA (≤ 3 Monate) | Trendbewertung im laufenden Jahr | Monatsabschluss beschleunigen, Abweichungen kurz kommentieren |
| SuSa / Detailauszug | Plausibilisierung und Einmaleffekte erkennen | Sondereffekte markieren und erklären (Projekt, Schadensfall, Nachkalkulation) |
| 12‑Monats-Liquiditätsplanung | Rückzahlungsfähigkeit und Engpässe früh erkennen | Rollierend pflegen, Zahlungsziele und Steuertermine integrieren |
| DSCR und Kennzahlenpaket | Standardisierte Tragfähigkeitsprüfung | Berechnungslogik dokumentieren, Leasing und Tilgungen vollständig berücksichtigen |
| Stresstests | Robustheit bei Schocks prüfen | 3 Szenarien definieren und Gegenmaßnahmen quantifizieren |
| ESG-Kurzeinschätzung | Zukunftsrisiken strukturiert erfassen | Einseiter mit Risiken, Maßnahmen, wenigen Kennzahlen |
Glossar
Begriffe kurz erklärt
- MaRisk 7. Novelle
- Überarbeitete Fassung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement, wirksam seit Juni 2023, mit stärkeren Vorgaben für Kreditvergabe und -überwachung.
- EBA/GL/2020/06
- Leitlinien der Europäischen Bankenaufsicht zur Kreditvergabe und -überwachung, die in Deutschland in bankaufsichtliche Anforderungen übertragen wurden.
- DSCR
- Debt Service Coverage Ratio; Kennzahl zur Kapitaldienstfähigkeit, die die Deckung von Zins und Tilgung aus Cashflow bewertet.
- BWA
- Betriebswirtschaftliche Auswertung; unterjähriges Zahlenwerk, das Banken als aktuelle Steuerungsinformation für Bonitätsprüfungen nutzen.
- SuSa
- Summen- und Saldenliste; detaillierte Kontenübersicht als Nachweis- und Plausibilisierungsbasis für BWA und Abschlüsse.
- Frühwarnindikatoren
- Kennzahlen oder Ereignisse, die auf steigendes Risiko hinweisen, etwa sinkende Marge, OP-Anstieg, Liquiditätsengpässe oder Covenant-Nähe.
- ESG-Risiken
- Risiken aus Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung, die die Zahlungsfähigkeit oder den Unternehmenswert beeinflussen können.
FAQ
Häufige Fragen
- Gilt MaRisk 7 direkt für mein Unternehmen?
- Rechtlich adressiert MaRisk Kreditinstitute unter BaFin-Aufsicht. Praktisch wirkt MaRisk 7 auf Unternehmen, weil Banken die dort geforderten Prüf- und Dokumentationsstandards auf Kreditnehmerdaten stützen müssen.
- Reicht ein aktueller Jahresabschluss noch aus?
- Oft nicht. Der Abschluss bleibt Basis, aber Banken verlangen zunehmend unterjährige Steuerungsdaten: aktuelle BWA, SuSa, Cashflow-Logik und eine 12‑Monats-Liquiditätsplanung.
- Wie aktuell muss die BWA sein?
- In vielen Kreditprozessen gilt: nicht älter als drei Monate. Entscheidend ist weniger ein starres Datum als die Frage, ob die Zahlen die aktuelle Risikolage abbilden.
- Was ist der DSCR und warum ist er so wichtig?
- Der DSCR misst, ob der Cashflow den Kapitaldienst aus Zins und Tilgung deckt. Er wird häufig als zentrale Kennzahl genutzt, um Tragfähigkeit und Puffer unter Stress zu beurteilen.
- Welche Stresstests erwarten Banken typischerweise?
- Häufig werden Umsatzrückgänge (z. B. 10 bis 20 Prozent), Zinsanstiege, Kostenanstiege sowie der Verlust eines Großkunden oder Projektverzögerungen betrachtet. Wichtig ist die Auswirkung auf Liquidität und DSCR.
- Muss ich wegen ESG sofort einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen?
- In vielen Fällen reicht eine strukturierte ESG-Kurzeinschätzung: wesentliche Risiken, vorhandene Maßnahmen und wenige Datenpunkte. Je nach Branche und Bank kann der Detailgrad steigen.
- Was bringt eine Korrektur bei Creditreform, CRIF, Bürgel oder SCHUFA-B2B?
- Banken nutzen Auskunftei-Informationen als externes Risikosignal. Fehler oder veraltete Daten können unnötig das Rating belasten. Eine sachliche Korrektur verbessert die Konsistenz zwischen internen Zahlen und externem Bild.
- Wie häufig muss ich künftig Unterlagen liefern?
- Das hängt von Engagementhöhe und Risiko ab. Bei größeren Linien oder auffälligen Entwicklungen ist eine regelmäßige Aktualisierung üblich, oft quartalsweise oder bei Bedarf auch monatlich.
Quellen
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- BaFin
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Bonifix Redaktion
Fachredaktion für B2B-Bonitätsmanagement. Spezialisiert auf Creditreform und CRIF Bürgel. Über 1.200 begleitete Index-Verbesserungen seit 2021.
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