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Ratgeber

Reverse Factoring: Liquidität für den Lieferanten, längere Zahlungsziele für Sie

Wie das Dreiecks-Geschäft mit Debitor, Lieferant und Factor funktioniert, was es kostet und wo die Bilanzfalle liegt.

Bonifix RedaktionFachredaktion FirmenbonitätAktualisiert Juli 20268 Min Lesezeit

Reverse Factoring dreht die klassische Factoring-Logik um: nicht der Lieferant verkauft seine Forderung, sondern der grosse Debitor initiiert das Programm und lässt seine Lieferanten die Rechnungen vorzeitig einziehen. Ergebnis: der Lieferant erhält Liquidität in 2–3 Tagen, der Debitor verlängert sein Zahlungsziel — und niemand belastet das eigene Kreditlimit.

Wie das Dreiecks-Geschäft funktioniert

  1. Debitor A schliesst Rahmenvertrag mit Factor B.
  2. Lieferant C stellt Rechnung an A, meldet sie im Portal des Factors.
  3. Factor B zahlt C vorzeitig aus (typisch 99–99,5 % der Rechnungssumme).
  4. Debitor A zahlt am regulären Fälligkeitstag oder mit vereinbarter Verlängerung an B.

Warum das Rating profitiert

Reverse Factoring bindet Working Capital, ohne dass der Debitor zusätzliche Bankverbindlichkeiten aufnimmt. In der Bilanz bleibt die Position „Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen" — sofern der wirtschaftliche Gehalt nicht so dominant Finanzierungscharakter annimmt, dass IDW RS HFA 21 eine Umgliederung in Finanzverbindlichkeiten fordert.

Kosten und Konditionen

BausteinTypische HöheTrägt
Diskont3-Monats-Euribor + 1,0–2,5 %Lieferant
Plattformgebühr0,1–0,3 % vom VolumenDebitor
Setup einmalig2.500–15.000 €Debitor

Wann Reverse Factoring die falsche Antwort ist

  • Debitor selbst hat schwache Bonität — Factor lehnt das Programm ab.
  • Lieferantenstruktur zu heterogen (viele Klein-Lieferanten) — Onboarding-Aufwand grösser als Nutzen.
  • Kurze bestehende Zahlungsziele — Verlängerung stösst auf Lieferanten-Widerstand.

Abgrenzung zu klassischen Instrumenten

  • Echtes Factoring — Lieferant verkauft, Ausfallrisiko wechselt zum Factor.
  • Stilles Factoring — ohne Offenlegung gegenüber Debitor.
  • Fine Trading / Einkaufsfinanzierung — Factor zahlt den Lieferanten, Debitor tilgt in Raten; Bilanz-Effekt anders.

Was Bonifix hier konkret für Sie tut

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FAQ

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zu klassischem Factoring?
Beim klassischen Factoring verkauft der Lieferant seine Forderung an einen Factor. Beim Reverse Factoring initiiert der Debitor (also Sie als Kunde) das Programm — der Lieferant kann seine Forderung an Sie beim Factor vorzeitig einziehen.
Bleibt Reverse Factoring in der Bilanz Verbindlichkeit aus L+L?
In der Regel ja — sofern nach IDW RS HFA 21 der wirtschaftliche Gehalt nicht dominant Finanzierungscharakter hat. Bei sehr langen Zahlungszielen (> 120 Tage) droht Umgliederung in Finanzverbindlichkeiten mit direkter Rating-Wirkung.
Was kostet Reverse Factoring den Debitor und den Lieferanten?
Diskont für den Lieferanten typisch 3-Monats-Euribor + 1–2,5 %, Plattformgebühr 0,1–0,3 %, Setup 2.500–15.000 €. Der Debitor zahlt meist nur die Plattformgebühr — der Lieferant trägt den Diskont.
Wann macht Reverse Factoring keinen Sinn?
Bei schwacher eigener Bonität (der Factor lehnt ab), stark heterogener Lieferantenstruktur (Onboarding-Aufwand pro Lieferant), oder wenn Ihre Zahlungsziele ohnehin unter 30 Tagen liegen.
Welche Anbieter gibt es für Reverse Factoring in Deutschland?
Grosse Anbieter sind SCF (Siemens), Traxpay, Prime Revenue, Taulia, Kyriba. Für den Mittelstand oft geeigneter: Sparkassen-Verbund und Genossenschaftliche Finanzgruppe mit eigenen Plattformen.
Verbessert Reverse Factoring meinen Bonitäts-Score?
Indirekt ja: verlängerte Zahlungsziele stärken das Working Capital, die Bilanzkennzahlen (Liquidität 1./2./3. Grades) verbessern sich und die Auskunftei sieht ein stabileres Zahlungsverhalten.
Wie lange dauert die Einführung eines Reverse-Factoring-Programms?
Vom Kick-off bis zum ersten aktiven Lieferanten typisch 8–12 Wochen. Bonitäts- und KYC-Prüfung des Debitors durch den Factor ist der zeitkritische Pfad — hier bereitet Bonifix die Unterlagen strukturiert vor.

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