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Ratgeber

Factoring-Markt in Österreich: Entwicklung, Risiken und Liquiditätshebel für KMU

Umsatzfinanzierung durch Forderungsverkauf: Was KMU wissen müssen

Mike SorceMike SorceGründer & Head of Credit Risk, BonifixAktualisiert August 202610 Min Lesezeit
Inhaltsverzeichnis · 18 Abschnitte
  1. Wie funktioniert Factoring und welche Arten gibt es?
  2. Welche Vorteile bietet Factoring für die Liquidität und Bonität von KMU?
  3. So gehen Sie vor, wenn Sie Factoring in Betracht ziehen
  4. Aktuelle Marktzahlen 2023 und die Entwicklung in Österreich
  5. Praxisfall aus dem österreichischen Mittelstand
  6. Regionale Unterschiede und Besonderheiten in Österreich
  7. Häufige Fehler bei der Einführung von Factoring und ihre Kosten
  8. Kosten, Aufwand und realistischer Zeitrahmen für Factoring
  9. Vergleich der Alternativen zu Factoring
  10. Wann lohnt sich Eigenregie, wann ein Dienstleister?
  11. Rechtliche Grundlagen für Factoring in Österreich
  12. Häufige Fragen
  13. Was ist der Unterschied zwischen echtem und unechtem Factoring?
  14. Wie hoch war das Ankaufsvolumen im österreichischen Factoring-Markt im Jahr 2023?
  15. Welche Vorteile bietet Factoring für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Österreich?
  16. Wie wirkt sich Factoring auf die Bonität eines Unternehmens aus?
  17. Welche Factoring-Quote hat Österreich im Vergleich zu Deutschland?
  18. Welche Rolle spielen regionale Unterschiede beim Factoring in Österreich?

Wie funktioniert Factoring und welche Arten gibt es?

Factoring ist eine Finanzdienstleistung, bei der ein Unternehmen seine offenen, noch nicht fälligen Forderungen aus Warenlieferungen oder Dienstleistungen an ein Factoring-Institut, den sogenannten Factor, verkauft. Im Gegenzug erhält das Unternehmen sofortige Liquidität, typischerweise 80 % bis 90 % des Forderungsbetrags, abzüglich einer Factoring-Gebühr. Der Factor übernimmt das Debitorenmanagement und gegebenenfalls das Ausfallrisiko.

Es lassen sich primär drei Arten von Factoring unterscheiden: Beim echten Factoring übernimmt der Factor das volle Delkredererisiko, das heißt, das Ausfallrisiko liegt beim Factor. Dies entlastet die Bilanz des Forderungsverkäufers erheblich. Im Gegensatz dazu verbleibt beim unechten Factoring das Ausfallrisiko beim Unternehmen. Daneben gibt es noch das Inhouse-Factoring, bei dem das Unternehmen das Debitorenmanagement selbst fortführt, während der Factor nur die Finanzierung und das Delkredererisiko übernimmt.

Factoring ist ein flexibles Instrument, das sich an die spezifischen Bedürfnisse von KMU anpassen lässt. Es ermöglicht nicht nur die schnelle Bereitstellung von Liquidität, sondern kann auch die Bilanzstruktur verbessern, indem es die Forderungslaufzeiten verkürzt und die Eigenkapitalquote stärkt. Letzteres ist ein wichtiger Faktor für die Bonitätsbewertung durch Banken und Wirtschaftsauskunfteien.

Factoring-ArtDelkredererisikoDebitorenmanagementLiquiditätswirkung
Echtes FactoringFactorFactorHoch
Unechtes FactoringUnternehmenFactorMittel
Inhouse-FactoringFactorUnternehmenHoch

Welche Vorteile bietet Factoring für die Liquidität und Bonität von KMU?

Factoring bietet KMU eine Reihe von Vorteilen, die über die reine Liquiditätsbeschaffung hinausgehen und sich positiv auf die Unternehmensbonität auswirken. Durch den sofortigen Forderungsverkauf wird das Umlaufvermögen entlastet, was die Bilanzstruktur verbessert und die Eigenkapitalquote stärkt. Eine höhere Eigenkapitalquote wird von Banken und Ratingagenturen als Zeichen für finanzielle Stabilität gewertet, was den Zugang zu weiteren Finanzierungen erleichtert.

Zudem entfällt durch das echte Factoring das Ausfallrisiko für die verkauften Forderungen. Dies minimiert unerwartete Liquiditätsengpässe und schützt das Unternehmen vor Forderungsverlusten. Die freiwerdenden Ressourcen können für strategische Investitionen oder zur Skalierung des Geschäfts genutzt werden, anstatt sich mit dem langwierigen Mahnwesen zu beschäftigen. Die Verbesserung der Bonität kann sich zudem in besseren Konditionen bei Lieferanten und Versicherungen niederschlagen.

Die Flexibilität von Factoring ermöglicht es Unternehmen, nur die Forderungen zu verkaufen, die sie tatsächlich finanzieren möchten. Dies bietet eine maßgeschneiderte Lösung, die sich an saisonale Schwankungen oder Wachstumsschübe anpassen lässt. Im Gegensatz zu traditionellen Bankkrediten, die oft an Sicherheiten und strikte Bonitätskriterien gebunden sind, ist Factoring stärker an die Qualität der Forderungen gekoppelt.

Hebel für KMUWirkung auf BonitätAufwandDauer der Wirkung
Sofortige LiquiditätVerbesserung der BilanzstrukturGeringSofort
AusfallschutzReduzierung von RisikenGeringLangfristig
EigenkapitalstärkungHöhere BonitätsbewertungMittelMittel- bis Langfristig
Effizientes Debitorenm.Kostenersparnis, Fokus auf KerngeschäftMittelLangfristig

So gehen Sie vor, wenn Sie Factoring in Betracht ziehen

Wenn Sie Factoring für Ihr Unternehmen in Österreich in Betracht ziehen, ist eine sorgfältige Analyse der eigenen Unternehmenssituation und der verschiedenen Factoring-Angebote unerlässlich. Der erste Schritt besteht darin, den aktuellen Bedarf an Liquidität und die Struktur Ihrer Forderungen zu bewerten. Nicht alle Forderungen eignen sich für Factoring; der Factor prüft in der Regel die Bonität Ihrer Abnehmer.

Ein wichtiger Schritt ist die Auswahl des richtigen Factoring-Anbieters. Vergleichen Sie verschiedene Angebote hinsichtlich Konditionen, Gebührenstrukturen und Serviceleistungen. Achten Sie darauf, ob der Factor das Delkredererisiko übernimmt und welche Erfahrungen er in Ihrer Branche hat. Zudem sollten Sie die vertraglichen Details genau prüfen, insbesondere die Laufzeiten und Kündigungsmodalitäten.

Sobald Sie sich für einen Factor entschieden haben, erfolgt die Implementierung des Factoring-Prozesses in Ihre Unternehmensabläufe. Dies beinhaltet die Anpassung Ihrer Buchhaltungs- und Rechnungsstellungsprozesse. Eine transparente Kommunikation mit Ihren Kunden über den Forderungsverkauf ist ebenfalls wichtig, um Vertrauen zu wahren und Missverständnisse zu vermeiden.

Aktuelle Marktzahlen 2023 und die Entwicklung in Österreich

Der österreichische Factoring-Markt hat sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt und gilt als Wachstumsmarkt. Laut dem Österreichischen Factoring-Verband erreichte das Ankaufsvolumen von Forderungen im Jahr 2023 rund 37,5 Milliarden Euro. Dies entspricht einer signifikanten Steigerung von über 50 % innerhalb der letzten sechs Jahre, was die wachsende Bedeutung dieser Finanzierungsform für österreichische Unternehmen unterstreicht (Österreichischer Factoring-Verband 2024).

Die Factoring-Quote, welche die Marktdurchdringung abbildet, lag in Österreich 2023 bei etwa 14 %. Im Vergleich dazu erreicht Deutschland eine Quote von über 20 %. Dies deutet auf weiteres Wachstumspotenzial für den österreichischen Markt hin. Die Anzahl der Factoring-Kunden in Österreich steigt ebenfalls stetig an, getragen durch den Wunsch nach mehr Liquidität und Risikominimierung in einem volatilen Wirtschaftsumfeld.

Insbesondere KMU entdecken Factoring als Alternative zum traditionellen Bankkredit. Die Flexibilität und die schnelle Verfügbarkeit von Mitteln sind entscheidende Argumente. Faktoren wie die globale wirtschaftliche Unsicherheit und höhere Zinsen für Kredite tragen dazu bei, dass Unternehmen verstärkt auf Factoring setzen, um ihre Liquidität und Bonität zu sichern (Intermarket Bank 2023).

Praxisfall aus dem österreichischen Mittelstand

Eine mittelständische Maschinenbau-GmbH aus Oberösterreich mit 70 Mitarbeitern stand Ende 2022 vor Liquiditätsengpässen. Lange Zahlungsziele der internationalen Kunden von bis zu 90 Tagen und gestiegene Materialkosten belasteten das Working Capital. Der Bonitätsindex des Unternehmens bei Creditreform verschlechterte sich zusehends, was den Zugang zu weiteren Bankkrediten erschwerte. Eine schlechte Unternehmensbonität, wie sie auch im Artikel "schlechte-unternehmensbonitaet-dauer-verbessern" beschrieben wird, kann die Finanzierungsmöglichkeiten stark einschränken. Nach einer Bonitätsprüfung durch einen externen Dienstleister entschied sich die Geschäftsführung für eine Factoring-Lösung. Sie verkaufte fortan einen Großteil ihrer Forderungen an einen österreichischen Factor. Innerhalb von drei Monaten verbesserte sich die Liquidität der GmbH um rund 1,2 Millionen Euro, da die Forderungen sofort in Barmittel umgewandelt wurden. Dies stabilisierte den Cashflow und ermöglichte es dem Unternehmen, Materialeinkäufe zu optimieren und Skontofristen besser zu nutzen. Der Bonitätsindex bei Creditreform konnte durch die verbesserte Bilanzstruktur von 320 auf 260 Punkte gesenkt werden, was den Weg für eine neue Investition in Produktionsanlagen ebnete.

Regionale Unterschiede und Besonderheiten in Österreich

Obwohl Factoring als Finanzinstrument national einheitlichen Regeln unterliegt, können regionale Besonderheiten in Österreich eine Rolle spielen. In Bundesländern mit einem hohen Anteil an produzierendem Gewerbe, wie Oberösterreich oder der Steiermark, ist der Bedarf an Factoring oft größer, da hier lange Produktionszyklen und Zahlungsziele üblich sind. Die dort ansässigen KMU sind stärker auf flexible Liquiditätslösungen angewiesen, um ihre Vorfinanzierung zu sichern.

In Wien, als Finanz- und Dienstleistungszentrum, finden sich hingegen mehr Factoring-Anbieter und spezialisierte Berater, die auf unterschiedliche Branchen und Unternehmensgrößen zugeschnitten sind. Die Dichte an Banken und Finanzdienstleistern fördert hier den Wettbewerb und die Vielfalt der angebotenen Factoring-Modelle. Unternehmen in ländlicheren Regionen oder Nischenbranchen benötigen möglicherweise länger, um einen passenden Factor zu finden, der ihre spezifischen Anforderungen erfüllt und die Bonität ihrer Debitoren adäquat einschätzt.

Die Wirtschaftskammern der einzelnen Bundesländer (z.B. Wirtschaftskammer Oberösterreich, Wirtschaftskammer Wien) bieten oft Beratungsleistungen und Informationen zum Thema Factoring an. Diese regionalen Anlaufstellen können KMU bei der Orientierung im Factoring-Markt unterstützen und Kontakte zu lokalen Anbietern herstellen. Die lokale Vernetzung spielt hier eine nicht zu unterschätzende Rolle für die erfolgreiche Implementierung von Factoring-Lösungen.

Häufige Fehler bei der Einführung von Factoring und ihre Kosten

Ein häufiger Fehler bei der Einführung von Factoring ist die unzureichende Prüfung der eigenen Abnehmerbonität vor dem Forderungsverkauf. Wenn ein Factor später Forderungen ablehnt, weil die Bonität des Debitors zu schlecht ist, muss das Unternehmen die Forderung oft selbst einziehen oder abschreiben. Dies kann zu unerwarteten Liquiditätsengpässen führen und zusätzliche Kosten für das Mahnwesen verursachen. Eine unzureichende Bonitätsprüfung der Abnehmer kann daher schnell Mehrkosten von 0,5 % bis 1,5 % des betroffenen Forderungsvolumens bedeuten.

Ein weiterer Fehler ist die mangelnde Transparenz gegenüber den eigenen Kunden bezüglich des Forderungsverkaufs. Wenn Kunden überrascht werden oder nicht klar ist, an wen sie zahlen sollen, kann dies zu Irritationen führen, das Vertrauensverhältnis belasten und im schlimmsten Fall Zahlungsausfälle provozieren. Schlechte Kommunikation kann hier indirekte Kosten durch Kundenverlust oder längere Zahlungsziele nach sich ziehen.

Auch die Nichterfüllung der vertraglichen Pflichten gegenüber dem Factor, wie beispielsweise die korrekte und fristgerechte Übergabe der Forderungsdokumente, kann zu Verzögerungen bei der Auszahlung oder zu zusätzlichen Bearbeitungsgebühren führen. Solche administrativen Fehler summieren sich schnell und können die Effizienz des Factoring-Einsatzes mindern. Eine unsaubere Dokumentation kann die Kosten um 0,1 % bis 0,3 % des Forderungsvolumens erhöhen.

Kosten, Aufwand und realistischer Zeitrahmen für Factoring

Die Kosten für Factoring in Österreich setzen sich in der Regel aus einer Factoring-Gebühr und einem Zinsentgelt zusammen. Die Factoring-Gebühr liegt meist zwischen 0,2 % und 2,5 % des Forderungswertes und hängt von der Bonität Ihrer Kunden, dem Forderungsvolumen, der Anzahl der Debitoren und der gewählten Factoring-Art ab. Das Zinsentgelt wird für die Vorfinanzierung berechnet und orientiert sich an aktuellen Marktzinsen wie dem EURIBOR, zuzüglich eines Aufschlags.

Der initiale Aufwand für die Implementierung von Factoring ist überschaubar. Er umfasst die Auswahl eines passenden Factors, die Einrichtung der Schnittstellen für die Datenübertragung und die Anpassung interner Prozesse. Diese Phase kann 2 bis 4 Wochen in Anspruch nehmen. Nach der erfolgreichen Implementierung ist der laufende Aufwand für das Unternehmen gering, insbesondere beim echten Factoring, da der Factor das Debitorenmanagement übernimmt.

Die Auszahlung der Liquidität erfolgt in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Forderungsverkauf. Eine signifikante Verbesserung der Liquidität und Bilanzstruktur ist somit kurzfristig, oft schon innerhalb weniger Wochen, spürbar. Die positive Wirkung auf die Bonität setzt etwas längerfristig ein, da die Kennzahlen über mehrere Berichtsperioden stabil bleiben müssen, um von Ratingagenturen und Banken positiv bewertet zu werden.

OptionKostenDauerErfolgswahrscheinlichkeit
Echtes Factoring (Full-Service)0,8 % – 2,5 % d. Forderung2-4 Wochen initialHoch
Unechtes Factoring0,5 % – 1,5 % d. Forderung2-4 Wochen initialMittel
Inhouse-Factoring0,2 % – 0,8 % d. Forderung3-5 Wochen initialHoch

Vergleich der Alternativen zu Factoring

Factoring ist eine von mehreren Möglichkeiten zur kurzfristigen Unternehmensfinanzierung. Alternativen umfassen den klassischen Bankkredit, den Kontokorrentkredit oder die Innenfinanzierung durch effizientes Mahnwesen. Jede dieser Optionen hat spezifische Vor- und Nachteile, die je nach Unternehmenssituation abgewogen werden müssen. Der Bankkredit bietet oft niedrigere Zinsen, ist aber an langfristige Bonitätskriterien und Sicherheiten gebunden.

Der Kontokorrentkredit bietet flexible Liquidität bis zu einer vereinbarten Grenze, ist jedoch in der Regel teurer als Factoring und kann die Bilanzkennzahlen belasten, wenn er dauerhaft in Anspruch genommen wird. Eine verbesserte interne Liquidität, beispielsweise durch optimiertes Forderungsmanagement oder einen effizienten Mahnprozess, kann ebenfalls eine Alternative darstellen. Ein gut strukturiertes außergerichtliches Mahnverfahren kann Liquidität schaffen, ist jedoch zeitaufwendig und bindet interne Ressourcen.

Wann lohnt sich Eigenregie, wann ein Dienstleister?

Die Entscheidung, ob Sie Factoring in Eigenregie (z.B. durch ein Inhouse-Factoring-Modell) oder über einen externen Dienstleister wie Bonifix managen, hängt von mehreren Faktoren ab. Eigenregie kann sinnvoll sein, wenn Sie über die notwendigen internen Ressourcen für das Debitorenmanagement und eine starke Bonität Ihrer Abnehmer verfügen. Dies erfordert jedoch Expertise in der Forderungsprüfung und im Mahnwesen, um das Ausfallrisiko zu minimieren. Inhouse-Factoring kann Kosten sparen, birgt aber auch höhere Risiken und einen höheren administrativen Aufwand.

Die Beauftragung eines Dienstleisters wie Bonifix für die Optimierung Ihrer Bonität oder die Vermittlung einer passenden Factoring-Lösung lohnt sich, wenn Sie eine schnelle und professionelle Abwicklung wünschen und sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren möchten. Bonifix ist spezialisiert auf die Verbesserung der Firmen-Bonität bei allen vier deutschen Wirtschaftsauskunfteien, bietet aber auch umfassende Beratung zu Finanzierungslösungen an. Unsere "Kostenlose Erstanalyse" kann Ihnen aufzeigen, welche Hebel für Ihre spezifische Situation am besten geeignet sind, um Liquidität zu generieren und Ihre Bonität zu stärken.

Rechtliche Grundlagen für Factoring in Österreich

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Factoring in Österreich sind primär im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) geregelt, insbesondere im Bereich des Zessionsrechts (§§ 1392 ff. ABGB). Der Forderungsverkauf, also die Zession, ist ein Kernbestandteil des Factoring. Hierbei ist zu beachten, dass die Abtretung einer Forderung dem Drittschuldner, also Ihrem Kunden, in der Regel angezeigt werden muss, sofern keine stillschweigende Zession vereinbart wurde (Art. 15 DSGVO). Ohne Offenlegung könnte der Kunde weiterhin an den ursprünglichen Gläubiger zahlen, was zu Problemen führen könnte.

Datenschutzrechtlich relevant ist die Weitergabe von Kundendaten an den Factor. Diese muss gemäß der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erfolgen. Insbesondere Art. 6 DSGVO, der die Rechtmäßigkeit der Verarbeitung regelt, und Art. 14 DSGVO, der die Informationspflichten gegenüber der betroffenen Person bei Datenerhebung bei Dritten festlegt, sind hierbei zu beachten. Ein Factoring-Vertrag sollte daher detaillierte Regelungen zur Datenweitergabe enthalten und die Einhaltung der DSGVO sicherstellen. Unternehmen sollten sich zudem des § 28a BDSG bewusst sein, der die Übermittlung von Bonitätsdaten regelt, auch wenn dieser primär deutsches Recht betrifft, sind die Grundprinzipien des Datentransfers auch für österreichische Unternehmen relevant. Eine korrekte Datenverarbeitung ist auch entscheidend, um falsche Einträge, die eine schlechte Bonität zur Folge haben, nach Art. 17 DSGVO korrigieren zu können. Diese Information ersetzt keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen echtem und unechtem Factoring?

Beim echten Factoring übernimmt der Factor das volle Ausfallrisiko für die Forderungen, während beim unechten Factoring dieses Risiko beim Unternehmen verbleibt.

Wie hoch war das Ankaufsvolumen im österreichischen Factoring-Markt im Jahr 2023?

Laut dem Österreichischen Factoring-Verband betrug das Ankaufsvolumen im Jahr 2023 rund 37,5 Milliarden Euro.

Welche Vorteile bietet Factoring für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Österreich?

Factoring verbessert die Liquidität, stärkt die Eigenkapitalquote und reduziert das Ausfallrisiko. Dies erleichtert den Zugang zu weiteren Finanzierungen und optimiert den Cashflow von KMU.

Wie wirkt sich Factoring auf die Bonität eines Unternehmens aus?

Durch die sofortige Umwandlung von Forderungen in Liquidität verbessert sich die Bilanzstruktur und Eigenkapitalquote, was von Banken und Ratingagenturen positiv bewertet wird und den Bonitätsindex verbessern kann.

Welche Factoring-Quote hat Österreich im Vergleich zu Deutschland?

Die Factoring-Quote in Österreich lag 2023 bei etwa 14 %, während sie in Deutschland über 20 % erreicht, was auf weiteres Wachstumspotenzial für Österreich hindeutet.

Welche Rolle spielen regionale Unterschiede beim Factoring in Österreich?

In Bundesländern mit hohem Produktionsanteil ist der Bedarf an Factoring aufgrund langer Zahlungsziele größer, während in Wien mehr Anbieter und spezialisierte Berater zu finden sind. Dies führt zu regional unterschiedlichen Angeboten und Bedürfnissen.

  1. Bedarf analysieren

    Ermitteln Sie Ihren genauen Liquiditätsbedarf und die Struktur Ihrer offenen Forderungen. Prüfen Sie die Bonität Ihrer Abnehmer.

  2. Anbieter vergleichen

    Holen Sie Angebote von verschiedenen Factoring-Anbietern ein. Achten Sie auf Gebühren, Konditionen und den Leistungsumfang (echtes vs. unechtes Factoring).

  3. Vertragsprüfung

    Prüfen Sie den Factoring-Vertrag sorgfältig, insbesondere Klauseln zur Datenweitergabe (DSGVO), Laufzeiten und Kündigungsfristen.

  4. Prozesse anpassen

    Integrieren Sie den Factoring-Prozess in Ihre Buchhaltungs- und Rechnungsstellungssysteme. Stellen Sie eine reibungslose Datenübermittlung sicher.

  5. Kunden informieren

    Kommunizieren Sie transparent mit Ihren Kunden über den Forderungsverkauf, um Missverständnisse zu vermeiden und Vertrauen zu wahren.

  6. Regelmäßige Kontrolle

    Überwachen Sie regelmäßig die Performance des Factoring-Dienstleisters und passen Sie bei Bedarf Ihre Strategie an.

Vergleich der Alternativen

FinanzierungsartLiquiditätKostenRisikoübernahmeFlexibilität
FactoringSofort (80-90%)Mittel (0,2-2,5% Gebühr + Zins)Hoher Ausfallschutz (echt)Hoch (selektiver Verkauf möglich)
BankkreditNach Prüfung (einmalig/Linie)Niedrig (Zins)Kein AusfallschutzMittel (festgelegte Konditionen)
KontokorrentkreditFlexibel (bis zur Grenze)Hoch (Zins, Bereitstellung)Kein AusfallschutzHoch (kurzfristig)
InnenfinanzierungLangsam (Mahnwesen)Gering (interner Aufwand)Volles AusfallrisikoGering (abhängig von Zahlungsmoral)

Regionale Hinweise Deutschland

  • In Bayern konzentrieren sich Factoring-Anbieter oft auf den starken Mittelstand in Industrie und High-Tech, mit spezialisierten Lösungen für Exportfinanzierung.
  • Nordrhein-Westfalen, mit seiner hohen Dichte an produzierenden Unternehmen im Ruhrgebiet, weist einen hohen Bedarf an Factoring-Lösungen auf, insbesondere im Bereich Lieferkettenfinanzierung.
  • In Hamburg, als Tor zur Welt, sind Factoring-Lösungen mit internationalem Bezug und für den maritimen Sektor besonders gefragt.
  • Baden-Württemberg, Heimat vieler Weltmarktführer im Maschinenbau, nutzt Factoring zur Absicherung langer Produktionszyklen und internationaler Zahlungsziele.
  • Die IHKs in Deutschland bieten umfangreiche Beratungen zu Factoring-Optionen und können Unternehmen bei der Auswahl unterstützen.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Factor
Ein Finanzinstitut, das Forderungen von Unternehmen ankauft und die Finanzierung sowie oft auch das Debitorenmanagement übernimmt.
Delkredererisiko
Das Risiko, dass ein Debitor seine Forderung nicht begleicht. Beim echten Factoring wird dieses Risiko vom Factor übernommen.
Factoring-Quote
Der Anteil der über Factoring finanzierten Forderungen am gesamten Umsatz eines Unternehmens oder eines Marktes. Sie misst die Marktdurchdringung.
Zession
Die Abtretung einer Forderung von einem Gläubiger (Zedent) an einen anderen Gläubiger (Zessionar), hier der Forderungsverkäufer an den Factor.
Debitor
Ein Schuldner, der einem Unternehmen Geld schuldet, typischerweise aus Warenlieferungen oder Dienstleistungen.
Inhouse-Factoring
Eine Factoring-Art, bei der das Unternehmen das Debitorenmanagement selbst durchführt, während der Factor die Finanzierung und das Ausfallrisiko übernimmt.
Working Capital
Die Differenz zwischen Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Factoring verbessert das Working Capital, indem es Forderungen in Liquidität umwandelt.
Ankaufsvolumen
Der Gesamtbetrag der von Factoring-Instituten angekauften Forderungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums, oft als Indikator für die Marktgröße verwendet.

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FAQ

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen echtem und unechtem Factoring?
Beim echten Factoring übernimmt der Factor das volle Ausfallrisiko für die verkauften Forderungen. Beim unechten Factoring bleibt das Ausfallrisiko beim Unternehmen, das die Forderungen verkauft hat.
Welche Kosten fallen beim Factoring an?
Die Kosten setzen sich aus einer Factoring-Gebühr (0,2 % - 2,5 % des Forderungswertes) und einem Zinsentgelt für die Vorfinanzierung zusammen. Die genaue Höhe hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Wie schnell erhalte ich Liquidität durch Factoring?
In der Regel erhalten Sie die Liquidität aus dem Forderungsverkauf innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Übermittlung der Forderungsdokumente an den Factor.
Verbessert Factoring meine Bonität?
Ja, Factoring kann die Eigenkapitalquote und damit die Bonität eines Unternehmens verbessern, da offene Forderungen aus der Bilanz entfernt und in sofortige Liquidität umgewandelt werden.
Gibt es Branchen, für die Factoring besonders geeignet ist?
Factoring ist besonders für Branchen mit langen Zahlungszielen und hohem Forderungsbestand geeignet, wie den Maschinenbau, die Automobilindustrie, den Handel oder das Baugewerbe.
Kann ich Factoring auch als kleines KMU nutzen?
Ja, viele Factoring-Anbieter haben sich auf die Bedürfnisse von KMU spezialisiert und bieten flexible Lösungen auch für kleinere Forderungsvolumen an.
Was passiert, wenn mein Kunde die Forderung nicht bezahlt?
Beim echten Factoring trägt der Factor das Ausfallrisiko. Beim unechten Factoring bleibt das Risiko beim Unternehmen, das die Forderung verkauft hat, und muss diese im Falle eines Ausfalls zurückkaufen.
Ist die Datenweitergabe an den Factor DSGVO-konform?
Die Weitergabe von Kundendaten an den Factor muss im Einklang mit der DSGVO erfolgen. Eine entsprechende vertragliche Regelung und Information der Kunden sind dafür notwendig.

Behandelte Themen

  • Factoring-Institut
  • Österreichischer Factoring-Verband
  • Factoring-Quote
  • Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB)
  • Zessionsrecht
  • Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)
  • Intermarket Bank
  • Creditreform
  • Wirtschaftskammer Oberösterreich
  • Wirtschaftskammer Wien
  • EURIBOR

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